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Cowsharks in Kapstadt: Alles über den Breitnasen-Siebensiemer
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Wildlife 28. Januar 2026 Lena 8 Min.

Cowsharks in Kapstadt: Alles über den Breitnasen-Siebensiemer

Der Breitnasen-Siebensiemer ist das Highlight in False Bay. Was diese Haie einzigartig macht und wo du sie am zuverlässigsten siehst.

Der Hai, der Kapstadt einzigartig macht

Es gibt einen Moment, der fast jeden Taucher, der zum ersten Mal in False Bay taucht, komplett überrumpelt. Man ist auf 15 Meter, die Sicht ist gut, man schaut auf das Riff unter Miller's Point — und dann bewegt sich da unten etwas. Groß. Sehr groß. Ein dunkler Körper, breit, mit einem charakteristisch breiten, runden Kopf, sieben Kiemenspalten auf jeder Seite, und eine Länge, die einen einen Schritt zurück machen lässt, obwohl man im Wasser schwebt.

Das ist der Breitnasen-Siebensiemer, Notorynchus cepedianus. Lokal schlicht "Cowshark" genannt. Einer der ältesten Haiarten der Welt. Und das Tier, das False Bay auf der internationalen Taucher-Landkarte verewigt hat.

Ich habe in meinen Jahren als Guide an Miller's Point Hunderte von Cowshark-Begegnungen begleitet. Ich kenne Taucher, die extra aus Japan, aus Kanada, aus Deutschland nur wegen dieses Hais nach Kapstadt geflogen sind. Und ich habe noch keinen erlebt, der enttäuscht war.

Biologie: Was diesen Hai so besonders macht

Der Breitnasen-Siebensiemer ist stammesgeschichtlich einer der "ursprünglichsten" lebenden Haie. Während die meisten modernen Haie fünf Kiemenspalten haben, besitzt der Siebensiemer — wie der Name andeutet — sieben. Das ist ein Merkmal, das bei fossilen Haien aus dem Mesozoikum bekannt ist. Du tauchst buchstäblich neben einem lebenden Fossil.

Körpergröße: Weibchen werden typischerweise 2,8 bis 3,5 Meter lang, Männchen etwas kleiner (2,0–2,8 Meter). Schwerere Individuen können 107 kg übersteigen. In False Bay trifft man regelmäßig Tiere über drei Meter an — das ist ein Erlebnis, das die meisten Taucher nie vergessen.

Der Körperbau: Breiter, stumpfer Kopf (daher "Breitnase"), sehr breite Brustflossen, und ein charakteristisch großer, asymmetrischer Schwanz. Die Färbung ist silbergrau bis braun, mit kleinen, unregelmäßigen weißen Punkten — besonders bei Jungtieren deutlich sichtbar. Mit wachsendem Alter verblassen die Punkte.

Verbreitung: Der Breitnasen-Siebensiemer kommt in gemäßigten und kühlen Gewässern weltweit vor — Südafrika, Australien, Neuseeland, Pazifikküste der Americas. Aber nirgendwo auf der Welt taucht man so zuverlässig und in so großer Zahl mit ihnen wie in False Bay. Das macht Kapstadt zum unbestrittenen Welthauptort für Cowshark-Begegnungen.

Verhalten gegenüber Tauchern: Was du wirklich erwarten kannst

Die häufigste Frage: Sind Cowsharks gefährlich? Die ehrliche Antwort ist komplexer als ein einfaches Ja oder Nein.

Cowsharks sind Apex-Prädatoren. Sie stehen an der Spitze der Nahrungskette in False Bay und jagen Rochen, Tintenfische, Fische und kleine Meeressäuger. Sie sind keine "Zierhaie" — sie sind echte, leistungsfähige Jäger mit entsprechendem Verhalten.

Gegenüber Tauchern verhalten sie sich jedoch in aller Regel neugierig, nicht aggressiv. Die typische Begegnung sieht so aus: Ein Cowshark schwimmt langsam durch dein Blickfeld, auf ca. fünf bis zehn Meter Abstand. Er dreht vielleicht einmal ab, um dich zu inspizieren — kommt auf drei bis vier Meter ran —, entscheidet, dass du uninteressant bist, und setzt seinen Weg fort. Das Ganze in aller Ruhe, ohne Hast.

Was ich nie gesehen habe in hunderten Cowshark-Tauchgängen: einen Cowshark, der einen Taucher bedroht oder attackiert. Es gibt dokumentierte Fälle von Angriffen auf Menschen — weltweit, aber äußerst selten, und meist in Situationen, wo Taucher sehr nahe an die Tiere herangegangen sind oder provokatives Verhalten gezeigt haben.

Die Grundregel: Halte mindestens zwei Meter Abstand. Mache keine schnellen Bewegungen. Gehe nicht zwischen den Hai und den Riffboden (das ist sein Territorium). Dann ist eine Cowshark-Begegnung eines der ergreifendsten Erlebnisse, die du als Taucher haben kannst.

Miller's Point: Der beste Cowshark-Spot der Welt

Ich sage "der beste Spot der Welt" nicht aus Kapstadt-Patriotismus, sondern weil kein anderer Ort auf der Erde so zuverlässige, so nahe und so häufige Cowshark-Begegnungen bietet wie Miller's Point südlich von Simon's Town.

Lage und Erreichbarkeit

Miller's Point liegt an der M4, der Küstenstraße südlich von Simon's Town, auf dem Weg zum Kap der Guten Hoffnung. Von Simon's Town (Jubilee Square) sind es ca. 10 Minuten Fahrt. Der Spot ist gut ausgeschildert, der Parkplatz kostenlos, der Strand-Einstieg direkt vom Kies.

Unterwassertopografie

Miller's Point hat eine interessante Riffstruktur: Flache Felsbänke in 8–12 Metern gehen nach außen hin in eine Abbruchkante über, die auf 20–30 Meter fällt. Die Cowsharks patrouillieren diese Abbruchkante entlang — oft in der Tiefe zwischen 12 und 20 Metern. Das Riff selbst ist üppig mit Weichkorallen, Schwämmen und einer enormen Fischvielfalt besiedelt.

Direkt neben Miller's Point liegt der Spot "The Pinnacles" — vertikale Felsformationen in 12–20 Metern, die zu den schönsten Unterwasserlandschaften der Bucht gehören und ebenfalls ein Cowshark-Revier sind.

Wann sind die Cowsharks da?

Das ist die wichtigste Planungsfrage, und ich werde nicht lügen: Es gibt keine 100%-Garantie. Aber es gibt klare Muster:

  • September bis Mai: Hauptsaison. In diesen Monaten sind Cowshark-Sichtungen an Miller's Point bei über 80% der Tauchgänge zu erwarten. September, Oktober, November und März, April sind besonders zuverlässig.
  • Oktober bis Dezember: Mein persönlicher Sweet Spot. Die Wassertemperatur liegt bei 14–16°C in False Bay, die Sicht ist oft ausgezeichnet (10–18 Meter), und die Cowshark-Population ist sehr aktiv.
  • Juni bis August: Weniger zuverlässig. Winterbedingungen, variable Sicht. Cowsharks sind seltener nahe am Riff, obwohl sie die Bucht nicht verlassen.

Der lokale Operator Ocean Divers International in Simon's Town führt informell Buch über Cowshark-Sichtungen und kann dir beim Booking sagen, wie die aktuellen Bedingungen sind. Das ist eine der Informationen, die ich immer empfehle: Frag den Operator drei bis vier Tage vor deiner Ankunft nach dem aktuellen Stand.

Weitere Cowshark-Spots in False Bay

Miller's Point ist die erste Wahl, aber nicht der einzige Ort:

  • The Pinnacles: Direkt neben Miller's Point, vertikale Riffstrukturen, häufige Cowshark-Sichtungen.
  • SAS Pietermaritzburg (Smitswinkel Bay): Das Wrack liegt im Cowshark-Revier. Begegnungen hier sind weniger vorausberechenbar als an Miller's Point, aber es passiert regelmäßig.
  • Partridge Point: Wenig bekannt, wenig besucht, hohes Cowshark-Aufkommen laut lokaler Guides.
  • A-Frame (Simon's Town Gebiet): Ein weiterer Spot, den lokale Taucher kennen und gerne für Cowsharks ansteuern.

Cowsharks fotografieren: Tipps für Unterwasserfotografen

Cowsharks sind fotografisch herausfordernd und gleichzeitig dankbar. Herausfordernd, weil sie schnell und unvorhersehbar sind. Dankbar, weil ihre Körpergröße und ihre ruhige Präsenz für atemberaubende Bilder sorgen.

  • Weitwinkel ist Pflicht: Ein Fisheye- oder Weitwinkel-Objektiv (z.B. 10–17mm auf APS-C) erlaubt dir, den gesamten Körper einzufangen, wenn der Hai nah kommt. Mit einem Standardobjektiv siehst du immer nur Teile.
  • ISO-Offenheit: Bei 15–20 Metern Tiefe in False Bay ist das Licht oft schwach. ISO 800–1600 und f/5.6–f/8 sind typische Einstellungen. Kurze Belichtungszeiten (mindestens 1/160s) für scharfe Aufnahmen des sich bewegenden Tiers.
  • Kein Blitz auf Augenhöhe: Blitze können Haie aufschrecken. Wenn du blitzt, tue es von unten (Diffuser-Position), nicht direkt frontal.
  • Geduld über Aktivität: Wer sich ruhig hält und wartet, bekommt die besseren Bilder. Wer dem Hai nachschwimmt, erschreckt ihn meistens und bekommt nur sein Hinterteil zu sehen.

Schutzstatus: Wie es um den Cowshark steht

Der Breitnasen-Siebensiemer wird von der IUCN (International Union for Conservation of Nature) aktuell als "Near Threatened" (Beinahe-gefährdet) eingestuft. Die Population in Südafrika gilt als vergleichsweise stabil, aber der Hai ist durch Beifang in kommerziellen Fischereien und gezielte Jagd in anderen Teilen seines Verbreitungsgebiets unter Druck.

In Südafrika ist der Breitnasen-Siebensiemer durch die Marine Living Resources Act geschützt. Das Befischen, Verletzen oder Belästigen ist strafbar. Als Taucher bist du Teil des Schutzes: Halte Abstand, kein Anfassen, keine Fütterung, keine Provokation. Der Respekt, den wir diesen Tieren entgegenbringen, ist einer der Gründe, warum False Bay nach wie vor eine der wenigen Orte ist, wo man sie überhaupt noch in solchen Zahlen sieht.

Häufige Fragen

Ist ein Cowshark-Tauchgang für Anfänger geeignet?+

Für Anfänger mit gutem Basiswissen (Open Water Brevet, 20+ Logbuch-Tauchgänge) grundsätzlich ja. Miller's Point hat moderate Bedingungen und ist gut für geführte Touren geeignet. Was wichtig ist: ruhig bleiben, kein hektisches Schwimmen, dem Guide folgen. Mit einem erfahrenen Guide ist der Tauchgang sicher.

Wie groß ist die Chance, wirklich Cowsharks zu sehen?+

In der Hauptsaison (September–Mai) an Miller's Point über 80% Wahrscheinlichkeit, wenn du mit einem erfahrenen lokalen Operator tauchst. Ocean Divers International in Simon's Town gibt dir beim Booking ehrliche aktuelle Infos zur Sichtlage.

Kann man Cowsharks auch ohne Tauchen sehen (vom Boot aus)?+

Nein, Cowsharks halten sich am Boden auf und sind von der Wasseroberfläche aus nicht sichtbar. Das ist ein rein taucherspezifisches Erlebnis — kein Hai-Cage-Diving, kein Boat-Watching. Du musst ins Wasser.

Sind Cowsharks und Weiße Haie beide in False Bay?+

Beide Arten leben in False Bay, aber an völlig verschiedenen Orten. Weiße Haie jagen primär rund um Seal Island bei Gordon's Bay — ein Bereich, zu dem Sporttaucher üblicherweise nicht hinfahren. Cowsharks sind an den bekannten Tauchspots bei Simon's Town präsent. Eine unkontrollierte Begegnung mit einem Weißen Hai beim normalen Sporttauchen an Miller's Point ist extrem unwahrscheinlich und praktisch nicht dokumentiert.

Über die Autorin

🤿

Lena

PADI Instructor · Cape Town

Ich zeige dir, wie du in Kapstadt sicher tauchst und die richtigen Spots für dein Level auswählst.

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