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TauchenInKapstadt

Benguela-Strom · Kelp-Wald · Kaltwasser

Unterwasserwelt Kapstadt

Kein tropisches Aquarium. Sondern kalt, nährstoffreich und außergewöhnlich artenreich. Lern die Tiere kennen, bevor du ins Wasser gehst.

Warum Kapstadts Unterwasserwelt so besonders ist

Das Benguela-System erklärt

Der Benguela-Meeresstroms fließt von der Antarktis nordwärts entlang der südafrikanischen Westküste und ist der Grund, warum das Wasser hier 12–16 Grad kalt ist – und warum die Biodiversität auf einem Niveau liegt, das tropische Gewässer in vielen Bereichen übertrifft.

Kaltes Wasser bindet mehr Sauerstoff als warmes. Mehr Sauerstoff bedeutet mehr Phytoplankton. Mehr Phytoplankton bedeutet mehr Zooplankton, mehr Fische, mehr Tintenfische, mehr Haie, mehr Robben, mehr Wale. Das Benguela-System ist eine der produktivsten Meeresregionen der Welt – und du tauchst mitten drin.

Der scheinbare Nachteil – das kalte Wasser – ist also gleichzeitig der Grund für alle Highlights. Der Cowshark. Die Kelp-Wälder. Die Nudibranch-Vielfalt. Die Robbenkolonien. Alles hängt zusammen.

12–16°C

Wassertemperatur

350 Mio.

Jahre – Cowshark-Evolution unverändert

75.000

Kapfellrobben auf Duiker Island

500+

Fischarten in der Region

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Der Kelp-Wald: Das Herz des Ökosystems

Eklonia maxima — bis zu 8 Meter hoch

Der Kelp-Wald ist kein Dekorelement – er ist die Grundlage für fast alles, was du beim Tauchen in Kapstadt sehen wirst. Eklonia maxima, die dominante Kelp-Art, wächst bis zu 8 Meter hoch und bildet dichte Unterwasserwälder, die von der Meeresoberfläche bis kurz über den Sandboden reichen.

In diesem Wald findet sich alles: Pyjama-Haie schlafen in den Wurzeln. Oktopusse jagen zwischen den Stielen. Riesenfelsenkrabben klettern die Kelp-Stiele hoch. Kleine Blennys leben in jedem Spalt. Cowsharks patrouillieren durch die Schneisen.

Für Taucher ist der Kelp-Wald eine Navigation-Herausforderung und ein visuelles Highlight gleichzeitig. Die Fronden bewegen sich im Strömung-Rhythmus, das Licht fällt in Strahlen ein, und man fühlt sich wie in einem lebendigen Kathedralraum.

Wichtig: Im Kelp gut tariert zu bleiben ist essenziell. Wenn du mit den Armen oder Beinen den Kelp berührst, kann er sich um dich wickeln. Ruhige, kontrollierte Bewegungen. Arme nah am Körper. Und immer wissen, wo dein Buddy ist.

0–20m

Photosynthese-Tiefe

bis 30cm

Wachstum pro Tag

200+

Abhängige Tierarten

Die Bewohner der Kapstädter Unterwasserwelt

12 Arten, die du kennen solltest – mit Verhaltensbeschreibungen, Sicherheitstipps und Fotoratschlägen aus der Praxis.

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Kapfellrobbe

Arctocephalus pusillus

Sehr häufig
Spots:Duiker Island · Hout Bay · Seal Island False Bay
Beste Zeit:Ganzjährig
Tiefe:5–15m

Die Kapfellrobbe ist DAS Tier, auf das ich am häufigsten angesprochen werde – und das völlig zurecht. Wer einmal mit diesen Tieren getaucht ist, vergisst es nicht. 75.000 Exemplare leben auf Duiker Island vor Hout Bay, und sobald du ins Wasser gleitest, sind sie da.

Kapfellrobben sind die clownesken Entertainer der südafrikanischen Unterwasserwelt. Sie sind unglaublich schnell – bis zu 35 km/h im Sprint – und nutzen diese Geschwindigkeit, um um dich herumzuflitzen, aus dem Nichts aufzutauchen und genau dann wieder zu verschwinden, wenn du denkst, du hast sie im Blick. Junge Robben sind besonders frech: Sie kommen zentimeterdicht heran, stupsen deine Kamera an und beobachten ihr Spiegelbild im Objektiv mit großen, neugierigen Augen.

Das Verhalten unter Wasser unterscheidet sich deutlich von dem, was du auf den Felsen siehst. An Land sind Robben gemütlich, manchmal schwerfällig, oft laut. Im Wasser sind sie reine Eleganz. Sie drehen sich auf den Rücken, strecken ihre Flossen aus, und gleiten wie akrobatische Balletttänzer durch das Wasser. Wenn eine Gruppe von jungen Robben miteinander spielt, sieht es aus wie ein Wirbel aus silbernen Körpern.

Wichtig: Robben können beißen, wenn sie sich bedroht fühlen. Fass sie niemals an, und fütter sie auf keinen Fall. Sie kommen von alleine nah genug ran.

⚠️ Sicherheit

Kein Anfassen, kein Füttern. Wenn eine Robbe mit offenem Maul direkt auf dich zukommt, ruhig bleiben und etwas Abstand nehmen.

📷 Fotografie-Tipp

Weitwinkel-Objektiv (16–35mm equivalent) für den Nahkontakt. Die Tiere kommen nah genug – keine langen Brennweiten nötig. Auf schnellen Autofokus achten.

🦈

Breitnasen-Siebenkie­mer

Notorynchus cepedianus

Saisonal
Spots:Miller's Point · Partridge Point · The Pinnacles
Beste Zeit:September bis Mai
Tiefe:10–30m

Der Breitnasen-Siebenkie­mer – von allen einfach “Cowshark” genannt – ist der König der False Bay. Bis zu 3 Meter lang, mit sieben Kiemenspalten statt der üblichen fünf, ist er ein lebendes Fossil. Die Vorfahren dieser Art haben sich in 350 Millionen Jahren kaum verändert. Was du hier siehst, ist ein Hai, der schon die Dinosaurier überlebt hat.

Von September bis Mai – wenn das Wasser in der False Bay am nährstoffreichsten ist – kommen Cowsharks in Gruppen durch den Kelp patrouilliert. An guten Tagen bei The Pinnacles siehst du 15–20 Tiere auf einmal. Sie driften durch das Wasser mit langsamen, majestätischen Schwanzschlägen und wirken dabei vollkommen entspannt. Und das sind sie auch. Cowsharks gelten nicht als aggressiv gegenüber Tauchern.

Das erste Mal, wenn so ein Tier langsam auf dich zukommt, ist ein Moment, bei dem der Puls unweigerlich hochgeht. Drei Meter Hai, sieben Kiemenspalten, ein Auge das dich registriert – und dann gleitet er einfach vorbei, interessiert aber nicht bedrohlich. Nach dem dritten oder vierten Tauchgang mit Cowsharks wirst du ihre Gegenwart als das einordnen, was sie ist: ein unglaubliches Privileg.

Erkennungsmerkmal neben den sieben Kiemenspalten: breiteren, abgerundeten Kopf im Vergleich zu anderen Hai-Arten, gefleckter Körper bei Jungtieren, insgesamt massiver und bulligerer Bau.

⚠️ Sicherheit

Nicht als aggressiv bekannt, aber respektvollen Abstand halten. Keine ruckartigen Bewegungen. Nicht zwischen Hai und Kelp klemmen lassen.

📷 Fotografie-Tipp

15–24mm Brennweite, um den Hai in seiner Kelp-Umgebung zu zeigen. Geduld – sie kommen von selbst nah ran. Niemals nachschwimmen.

🐠

Pyjama-Hai

Poroderma africanum

Häufig
Spots:Alle Kelp-Zonen · Miller's Point · Oudekraal
Beste Zeit:Ganzjährig, nachtaktiv
Tiefe:5–20m

Der Pyjama-Hai ist der heimlichste Bewohner der südafrikanischen Kelp-Wälder – und einer meiner absoluten Lieblinge. Sein Name kommt von den wunderschönen Längsstreifen auf seinem Körper, die ihn tatsächlich wie jemanden aussehen lassen, der im Schlafanzug unterwegs ist. Max 1 Meter lang, nachtaktiv, harmlos.

Tagsüber schläft der Pyjama-Hai unter Felsvorsprüngen oder tief im Kelp. Wenn du weißt, wo du schauen musst, findest du sie fast auf jedem Tauchgang: ein kompakt eingerollter Körper in einer Felsspalte, das braun-weiße Streifenmuster kaum vom Felshintergrund zu unterscheiden. Ich zeige meinen Kursteilnehmern gerne, wie man diese Tiere findet – oft sehen sie minutenlang auf eine Felspalte, bis ich ihnen zeige, dass der Hai die ganze Zeit schon da war.

Nachts werden Pyjama-Haie aktiv und jagen kleine Krebse, Tintenfische und Fische im Kelp. Nacht-Tauchgänge bei Miller's Point oder Oudekraal sind eine der besten Möglichkeiten, sie in Aktion zu sehen: ihre Bewegungen sind dann fließend und präzise, ganz anders als die schlafende Stille am Tag.

Der Pyjama-Hai ist endemisch in Südafrika – er kommt nirgendwo sonst auf der Welt vor. Das macht ihn zu einem echten Kapstadt-Spezialisten.

⚠️ Sicherheit

Völlig harmlos. Nicht anfassen und nicht aufschrecken – der Hai schläft, und das ist sein Recht.

📷 Fotografie-Tipp

Makro oder kurze Standardbrennweite. Das Streifenmuster ist bei gutem Licht sehr kontrastreich – schöne Nahaufnahmen möglich.

🌀

Shyshark (Kapkatzenhai)

Haploblepharus edwardsii

Häufig
Spots:Flache Riffe · Windmill Beach · Camps Bay
Beste Zeit:Ganzjährig
Tiefe:2–15m

Der Shyshark ist einer der charmantesten kleinen Haie, den die südafrikanische Küste zu bieten hat – und sein Name ist buchstäblich Programm. Wenn er sich bedroht fühlt, rollt er sich zu einem perfekten Ring zusammen, Schwanz über die Augen, und bildet so seinen eigenen Schutzschild. Es sieht aus wie ein kleines Tier, das sich die Hände über die Augen hält und hofft, dass es nicht gesehen wird.

Mit maximal 60 Zentimetern ist der Shyshark deutlich kleiner als sein Pyjama-Cousin und lebt bevorzugt auf flacheren Riffen bis ca. 10–15 Meter. Er ist endemisch in Südafrika, also nur hier zu finden. Sein Körper ist rötlich-braun mit cremefarbenen Flecken und einem charakteristischen Sattelfleck-Muster.

Das Einroll-Verhalten ist der Moment, auf den Taucher und besonders Unterwasserfotografen warten. Es passiert nicht immer, aber wenn es passiert, ist es einer dieser “bitte noch einmal Kamera raus” Momente. Der Hai liegt dann als perfekter Donut am Meeresboden und hofft, dass die Bedrohung vorbeigeht.

Wichtig: Diese Einroll-Reaktion ist ein Stresssignal. Wenn du einen Shyshark siehst, der sich einrollt, nimm Abstand und lass ihn in Ruhe. Niemals versuchen, ihn aufzurollen oder zu berühren.

⚠️ Sicherheit

Völlig harmlos für Taucher. Das Einrollen ist ein Stresssignal – bei dieser Reaktion Abstand vergrößern.

📷 Fotografie-Tipp

Makro-Fotografie ideal. Eingerollter Hai von oben oder leicht seitlich – schönes symmetrisches Motiv.

🌈

Nacktkie­mer (Nudibranchs)

Ordnung Nudibranchia

Saisonal (Winter)
Spots:False Bay · Miller's Point · Windmill Beach
Beste Zeit:April bis August
Tiefe:2–20m

Nacktkie­mer – international als Nudibranchs bekannt – sind die kleinen Juwelen der Kapstädter Unterwasserwelt. Keine Schale, nackte Kiemen auf dem Rücken, und Farben, die man kaum glaubt, dass die Natur sie sich ausgedacht hat. Leuchtend orange mit violetten Rändern. Weiß mit neongelben Punkten. Rot mit türkisfarbenen Streifen. Jede Art ein kleines Kunstwerk.

In der False Bay gibt es mehrere hundert dokumentierte Nudibranchs-Arten, und die beste Zeit für sie ist der Winter – wenn das Wasser kühler und nährstoffreicher ist. Ich gehe im Mai und Juni am liebsten auf Makro-Tauchgänge, weil die Nudibranch-Dichte dann spektakulär ist. Manchmal finde ich innerhalb von einer Stunde 8–10 verschiedene Arten auf einem einzigen Tauchgang.

Der Trick beim Finden von Nudibranchs ist Geduld und ein scharfes Auge. Sie sind klein – die kleinsten nur wenige Millimeter – und sitzen oft an Steinen, Schwämmen oder Algen, die genauso aussehen wie sie. Man muss langsam tauchen, fast schon kriechen, und alles genau anschauen. Wenn du einmal den Blick dafür entwickelt hast, siehst du sie überall.

Die Vielfalt in Kapstadt ist übrigens internationale Spitzenklasse. Das kalte Benguela-Wasser ermöglicht eine Artenvielfalt bei Nacktkie­mern, die mit tropischen Standorten absolut mithalten kann – und in manchen Kategorien sie sogar übertrifft.

⚠️ Sicherheit

Keine Sicherheitsrisiken. Niemals berühren – die Tiere sind winzig und fragil.

📷 Fotografie-Tipp

Makroobjektiv Pflicht. 60mm oder 100mm Makro. Gutes Strobe-Licht oder Video-Licht. Geduld beim Fokussieren – die Tiere bewegen sich langsam aber stetig.

🐙

Gemeiner Krake

Octopus vulgaris

Häufig
Spots:Alle Spots · Besonders Oudekraal · Miller's Point
Beste Zeit:Ganzjährig
Tiefe:2–25m

Oktopusse sind für mich die intelligentesten Tiere, die ich regelmäßig unter Wasser treffe – und gleichzeitig die frustrierendsten Fotografieobjekte. Sie können ihre Hautfarbe und -textur in Sekundenbruchteilen anpassen, um sich perfekt zu tarnen. Ein Oktopus, der auf sandigem Untergrund sitzt und sich zusammenzieht, ist buchstäblich unsichtbar.

Dabei sind Oktopusse alles andere als scheu. Sie beobachten dich aufmerksam mit diesen unglaublichen, fast menschlichen Augen – Pupillen wie Schlitze in tiefem Gold. Manchmal strecken sie vorsichtig einen Arm aus, um dein Finimeter oder deine Kamera zu berühren. Ich hatte schon Oktopusse, die meine Maske abzulecken versucht haben.

Erkennungszeichen für Oktopus-Verstecke: Kleine Muschelschalen vor einem Loch unter einem Stein. Der Oktopus hat da gegessen. Außerdem: kleine Sandhäufchen oder ordentlich gestapelte Steine vor einem Spalt. Das ist ein sogenannter “Midden” – der Essensabfallhaufen des Oktopus.

In Kapstadt, besonders bei Oudekraal und Miller's Point, sind Oktopusse sehr zahlreich. Ich finde auf fast jedem Tauchgang mindestens einen. Sie zu beobachten, wie sie durch den Kelp gleiten und Farben wechseln, ist hypnotisierend und niemals langweilig.

⚠️ Sicherheit

Harmlos für Taucher. Nicht provozieren und nicht anfassen – sie können ihre Farbe ändern, aber auch beißen wenn sie sich stark bedroht fühlen.

📷 Fotografie-Tipp

Mittlere Makro- oder Standardbrennweite. Warte bis der Oktopus “aktiv” ist, nicht getarnt – dann zeigt er seine wahren Farben.

🦞

Kapstadtlanguste

Jasus lalandii

Häufig – GESCHÜTZT
Spots:Alle Spots · Felsige Riffe · Kelp-Zonen
Beste Zeit:Ganzjährig
Tiefe:5–25m

Die Kapstadtlanguste – auf Englisch Cape Rock Lobster oder Kreef (Afrikaans) – ist eines der häufigsten Tiere, die du in den Riffen rund um Kapstadt unter Felsvorsprüngen siehst. Rote Schalen, lange Antennen, die manchmal fast so lang wie der ganze Körper sind. Wunderschön anzuschauen.

Und hier muss ich sehr deutlich sein: Diese Tiere sind streng geschützt und es ist absolut verboten, sie anzufassen oder mitzunehmen. Die Kapstadtlanguste ist durch Wilderei extrem unter Druck geraten, und die südafrikanischen Behörden gehen mit harten Strafen gegen Wilderei vor – auch gegen Taucher. Als Besucher darfst du sie beobachten und fotografieren, das ist alles.

Abgesehen von der Schutzfrage sind Kap-Langusten für Taucher wunderschöne Beobachtungstiere. Sie leben in Gruppen unter Felsvorsprüngen und in Höhlen, und man sieht oft drei, vier oder mehr Tiere dicht nebeneinander. Die langen Antennen tasten ständig die Umgebung ab.

Nachts verlassen Langusten ihre Verstecke und wandern über den Meeresboden auf Nahrungssuche – Nacht-Tauchgänge bieten die Chance, sie in freier Bewegung zu sehen, was deutlich eindrucksvoller ist als das tagsüber ruhige Versteck-Bild.

⚠️ Sicherheit

STRENG GESCHÜTZT. Kein Anfassen, kein Mitnehmen. Verstöße werden mit hohen Geldstrafen geahndet.

📷 Fotografie-Tipp

Gutes Licht für die lebhaften Rot-Töne wichtig. Weitwinkel für Gruppen-Shots, Makro für Details der Antennen und Oberfläche.

🐟

Großer Adlerrochen

Myliobatis aquila

Gelegentlich
Spots:False Bay · Offenes Wasser · Smitswinkel Bay
Beste Zeit:Oktober bis April
Tiefe:10–30m

Der Große Adlerrochen ist einer dieser Anblicke, der sich ins Gedächtnis brennt. Eine breite, schwarz-braune Scheibe, die mit gemächlichen Flügelschlägen durch das Wasser gleitet – wie ein Vogel in Zeitlupe, nur unter Wasser. Die Flügelspannweite kann bis zu 1,8 Meter betragen, und wenn sich so ein Tier direkt über dir aufbaut und den Blick nach unten richtet, ist das ein Moment totaler Stille.

Adlerrochen sind in der False Bay nicht häufig, aber sie kommen vor – vor allem in den Sommermonaten, wenn das Wasser wärmer und ihre Beute (kleine Muscheln, Würmer, Krebse) aktiver ist. Sie fressen mit einer stülprüsselartigen Schnauze am Sandboden und wühlen dabei manchmal kleine Sandwolken auf. Wenn du ein solches Tier am Boden buddeln siehst, ist das ein seltener, fast witziger Anblick – diese elegante Scheibe, die unbeholfen im Sand wühlt.

In der Freiwasser-Begegnung sind Adlerrochen aber pure Eleganz. Sie ziehen ihre Bahnen, manchmal als Einzeltier, manchmal in kleinen Gruppen von zwei bis fünf Tieren. Sie kümmern sich nicht um Taucher und schwimmen einfach in ihrer eigenen Welt durch das Wasser.

⚠️ Sicherheit

Adlerrochen haben einen Giftstachel am Schwanz. Immer respektvollen Abstand halten und niemals von hinten annähern.

📷 Fotografie-Tipp

Weitwinkel für den vollen Körper inklusive Flügelspannweite. Von unten fotografiert, mit dem Blau des Wassers als Hintergrund, sind Adlerrochen absolut spektakulär.

🦈

Weißer Hai

Carcharodon carcharias

Saisonal – Käfigtauchen
Spots:Seal Island False Bay (Sprünge) · Gansbaai Shark Alley (Käfig)
Beste Zeit:September bis März
Tiefe:Oberfläche bis 20m

Der Weiße Hai ist das Tier, über das jeder reden will – und das ist vollkommen berechtigt. Er ist eine der beeindruckendsten Schöpfungen der Evolution: bis zu 6 Meter lang, 2.000 Kilogramm schwer, mit Sinnesorganen, die Probleme erkennen, bevor man sie sieht.

Wichtig zu verstehen: Weißer Hai und normales Tauchen sind in der Region komplett getrennte Welten. Beim Tauchen in der False Bay, bei Miller's Point oder Oudekraal, tauchst du nicht mit Weißen Haien. Die Tiere kommen vor, sind aber bei normalen Küstentauchgängen extrem selten. Verwechsele das nicht mit den Cowsharks – Cowsharks sind großartig und häufig, aber nicht der Weiße Hai.

Weiße Haie gezielt erleben kannst du auf zwei Arten: Bei Seal Island in der False Bay gibt es von September bis März das berühmte Breaching-Spektakel – Weiße Haie springen spektakulär aus dem Wasser, um Robben zu jagen. Das beobachtet man von Booten aus, nicht beim Tauchen.

Für das echte Käfigtauchen mit Weißem Hai fährst du nach Gansbaai (2,5 Std. von Kapstadt). Dort hängt du im Käfig, und die Haie kommen direkt heran. Das Wasser ist meistens nicht besonders klar, und der Käfig schränkt die Bewegung ein – aber die Erfahrung, einen Weißen Hai aus einem Meter Entfernung zu sehen, ist absolut unvergesslich.

⚠️ Sicherheit

Normales Tauchen: Weiße Haie sind eine seltene Begegnung. Bei Sichtung ruhig bleiben, auftauchen ohne Panik. Käfigtauchen ist sicher, solange man die Operatoranweisungen befolgt.

📷 Fotografie-Tipp

Beim Käfigtauchen: Weitwinkel oder 16mm Fisheye für die Enge. Video oft besser als Foto – die Bewegung der Haie ist das Faszinierende.

🐚

Riesennacktschnecke / Abalone

Haliotis midae

STRENG GESCHÜTZT
Spots:Felsige Riffe · Kelp-Zonen · Miller's Point
Beste Zeit:Ganzjährig
Tiefe:5–15m

Abalone – auf Afrikaans “Perlemoen” genannt – ist eine der schönsten und gleichzeitig am stärksten bedrohten Tier-Arten in Südafrika. Diese großen Meeresschnecken, erkennbar an ihrem ovalen, abgeflachten Gehäuse mit charakteristischen Atemöffnungen an der Seite, kleben an Felsen im Kelp-Wald und fressen Algen.

Das Problem: Abalone ist in Asien ein Luxusprodukt und damit unglaublich wertvoll auf dem Schwarzmarkt. Wilderei ist ein massives Problem entlang der Westküste Südafrikas. In den letzten 30 Jahren sind die Bestände durch illegale Entnahme auf einen Bruchteil des früheren Niveaus zurückgegangen. Die südafrikanische Küstenwache und Marine kämpfen täglich gegen Wilderei.

Als Taucher bist du in der privilegierten Position, diese Tiere in ihrer natürlichen Umgebung zu sehen. Und damit geht eine klare Pflicht einher: absolut kein Anfassen, kein Abnehmen vom Felsen, kein Mitnehmen. Punkt. Die Strafe für Abalone-Wilderei in Südafrika ist drakonisch – Geldstrafen von mehreren zehntausend Rand und mögliche Gefängnisstrafe.

Das Schöne ist: Sie einfach zu beobachten ist schon wunderschön. Das schillernde Innere des Gehäuses – ein Spiel aus Rosa, Grün und Blau – ist bei Taschenlampen-Licht beeindruckend. Und zu wissen, dass dieses Tier wahrscheinlich 20–30 Jahre alt ist, gibt der Begegnung eine ganz andere Dimension.

⚠️ Sicherheit

STRENG GESCHÜTZT. Kein Anfassen, kein Abnehmen vom Felsen. Wilderei wird mit hohen Strafen geahndet.

📷 Fotografie-Tipp

Taschenlampe oder Strobe von der Seite um das schimmernde Innere des Gehäuses zum Leuchten zu bringen. Makro für Details.

🐬

Delfine

Tursiops truncatus & Delphinus delphis

Gelegentlich
Spots:Atlantik Seaboard · Oudekraal · Hout Bay
Beste Zeit:Ganzjährig (unvorhersehbar)
Tiefe:0–20m

Delfin-Begegnungen beim Tauchen sind in Kapstadt nicht planbar – und genau deshalb so unvergesslich, wenn sie passieren. Die häufigsten Arten in der Region sind der Große Tümmler (Bottlenose Dolphin) und der Gewöhnliche Delfin, beide regelmäßig in Gruppen entlang der Atlantikküste zu beobachten.

An der Oberfläche siehst du Delfine in Kapstadt fast täglich – von der Promenade in Sea Point, von der V&A Waterfront oder auf Bootstouren. Unter Wasser ist es eine andere Sache. Es passiert, aber selten und nie auf Bestellung.

Wenn es passiert, ist es anders als alles, was ich bisher unter Wasser erlebt habe. Nicht wie in einem Zoo oder auf einem Bootsausflug. Du bist in ihrem Element. Sie entscheiden, ob und wie lange sie bleiben. Manchmal kommen sie für drei Minuten, kreisen um dich herum, lassen ihre Zwitscherlaute durch das Wasser laufen – und sind wieder weg. Diese drei Minuten bleiben dir ein Leben lang.

Bei Oudekraal gibt es gelegentliche Berichte von Tauchern, die im Kelp getaucht haben und plötzlich eine kleine Gruppe Tümmler neben sich hatten. Das ist zufällig und nicht garantierbar. Aber es ist der Grund, warum ich jedes Mal mit einer leisen Erwartung ins Wasser gehe.

⚠️ Sicherheit

Wilddelfine niemals anfassen oder verfolgen. Wenn sie auftauchen, ruhig bleiben und ihre Entscheidungen respektieren.

📷 Fotografie-Tipp

Breitwinkel für Gruppen-Shots. Schieß viel – Delfine sind schnell und Begegnungen kurz. Video oft befriedigender als Einzelfotos.

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Klipvis & Küstenbewohner

Diverse Arten

Sehr häufig
Spots:Alle Spots · Kelp-Zonen · Felsriffe
Beste Zeit:Ganzjährig
Tiefe:2–15m

Unter dem Begriff “Klipvis” (Afrikaans für Klippenfisch) versammeln sich die buntesten, skurrilsten und fotogensten kleinen Bewohner der Kapstädter Riffe. Blenny-Arten, die aus kleinen Felslöchern lugen. Grundeln, die reglos auf dem Boden sitzen. Trompetenfische, die senkrecht im Kelp stehen, um unsichtbar zu werden. Und die Riesenfelsenkrabbe, die aussieht wie ein mittelalterlicher Ritter – massiver Panzer, riesige Scheren, und ein Temperament das zeigt: Provoziere mich nicht.

Diese kleinen Tiere werden von vielen Tauchern übersehen, weil sie nicht glamourös sind – kein Hai, keine Robbe. Aber wenn du anfängst, auf sie zu achten, entdeckst du eine zweite Welt innerhalb der Welt. Ein Tauchgang bei Miller's Point kann für einen Makro-Fotografen genauso aufregend sein wie für jemanden, der Cowsharks sucht.

Besonders hervorzuheben: die Stachel-Felsenkrabbe (Cape Rock Crab), die bis zu 20 Zentimeter Körperdurchmesser erreicht und in den Kelp-Zonen überall zu finden ist. Sie ist nicht besonders scheu und lässt sich fotografieren, solange man ihr nicht zu nah kommt. Die blaugrüne Unterseite im Kontrast zu der roten Oberschale ist ein wunderschönes Motiv.

⚠️ Sicherheit

Felsenkrabben können kräftig kneifen. Genug Abstand halten. Nichts anfassen.

📷 Fotografie-Tipp

Makro-Objektiv für Blennys und kleine Krabben. Für große Felsenkrabben reicht ein 50mm. Seitliches Licht um Strukturen herauszuarbeiten.

Meeresschutz in Kapstadt

Viele Meerestiere rund um Kapstadt stehen unter strengem Schutz. Abalone und Kapstadtlanguste dürfen unter keinen Umständen berührt oder mitgenommen werden. Das gilt auch und besonders für Taucher. Mehrere Spots liegen in offiziellen Meeresschutzgebieten (Marine Protected Areas), wo das Einsammeln jeglicher Meeresorganismen verboten ist.

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Nichts anfassen oder mitnehmen

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In Schutzgebieten nur mit Genehmigung tauchen

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Tiere nur mit der Kamera berühren

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