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False Bay für Taucher: Der komplette Einsteiger-Guide
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Einsteiger 10. Februar 2026 Lena 9 Min.

False Bay für Taucher: Der komplette Einsteiger-Guide

Noch nie in Kapstadt getaucht? False Bay ist der perfekte Einstieg. Alle Spots, Tipps und was du als Anfänger wissen musst.

Warum False Bay der beste Einstieg ins Kapstadt-Tauchen ist

Kapstadt klingt für viele Taucher erst einmal einschüchternd. Kaltes Wasser, Kelp-Wälder, Haie — das ist nicht das, womit die meisten ihre ersten Tauchwochenenden in der Ägäis oder dem Roten Meer verbracht haben. Und das ist genau richtig so, denn Kapstadt ist nicht die Ägäis. Es ist wilder, reicher, und letztendlich faszinierender. Aber es verlangt Respekt und Vorbereitung.

False Bay — die große, hufeisenförmige Bucht östlich der Kapstädter Halbinsel — ist der perfekte Einstiegspunkt für alle, die das erste Mal in Kapstadt tauchen. Sie ist wärmer als der Atlantik, windgeschützter, mit einer Vielzahl an Spots unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade, und bietet einige der außergewöhnlichsten Wildlife-Begegnungen, die südafrikanische Gewässer zu bieten haben. In diesem Guide nehme ich dich an die Hand — vom ersten Planungsschritt bis zum Moment, wo du aus dem Wasser steigst und weißt: Das war etwas ganz Besonderes.

Was ist False Bay überhaupt? Geografie und Charakter

False Bay ist eine der größten Buchten Südafrikas, etwa 30 km breit und 50 km tief. Sie wird im Westen vom Kap der Guten Hoffnung und der Kapstädter Halbinsel begrenzt, im Osten vom Kap Hangklip. Die wichtigsten Taucher-Orte liegen an der Westseite der Bucht: Simon's Town, Miller's Point, Fish Hoek, und die Smitswinkel Bay.

Das Entscheidende für Taucher: False Bay ist durch die Halbinsel vor dem dominierenden Südostwind (dem berüchtigten "Cape Doctor") weitgehend geschützt. Das bedeutet: An Tagen, an denen der Atlantik zu rau für Tauchen ist, funktioniert False Bay oft noch. Als Einsteiger ist das ein enormer Vorteil — du hast eine bessere Chance, auch bei wechselhaftem Wetter ins Wasser zu kommen.

Die besten Einsteiger-Spots in False Bay: Ehrliche Bewertungen

Windmill Beach — Der sanfteste Einstieg

Windmill Beach liegt direkt hinter dem Simon's Town Yachtclub, wenige Minuten vom Jubilee Square entfernt. Es ist der ruhigste, einsteiger-freundlichste Spot in ganz False Bay und mein persönlicher Favorit für alle, die noch keine oder wenig Kaltwassererfahrung haben.

Warum Windmill? Flaches, sandiges Terrain. Maximale Tiefe ca. acht Meter. Praktisch keine Strömung. Klarer Einstieg ohne Wellengang. Du kannst deinen Atemregler in Ruhe einrichten, in der flachen Zone auf 2–3 Meter langsam Auftrieb und Atemmuster testen, und dann gemächlich auf 6–8 Meter hinunter gleiten.

Was du siehst: Nicht spektakulär, aber solid. Klipfisch in Scharen, Seeigel, Seesterne, gelegentlich kleine Rochen, die sich im Sand verbergen. Und nachts — Windmill Beach ist einer der besten Nacht-Tauchgänge für Einsteiger in Kapstadt: Nudibranchen kommen aus ihren Verstecken, Langusten-Scheren lugen unter Steinen hervor, und die ganze Welt sieht mit einer Tauchlampe plötzlich völlig anders aus.

Schwierigkeit: Sehr leicht. Geeignet ab Open Water Brevet und wenigen Logbuch-Tauchgängen.

Castle Rock — Der erste Schritt in richtige Riff-Tauchen

Castle Rock liegt nördlich von Simon's Town, ebenfalls gut erreichbar von der M4. Der Spot ist felsig, mit Riffstrukturen in 5–15 Metern Tiefe, und bietet mehr Abwechslung als Windmill Beach bei immer noch moderatem Schwierigkeitsgrad.

Hier trifft man regelmäßig auf Pyjama-Haie, die döselnd zwischen den Felsen liegen. Die charakteristischen Längsstreifen dieser kleinen Katzenhaie (Gesamtlänge ca. 80–100 cm) sind unverkennbar. Keine Gefahr für Taucher — Pyjama-Haie fressen Kleinfische und Wirbellose. Aber der Moment, wenn man seinen ersten Hai unter sich auf dem Riff entdeckt, ist für die meisten Taucher ein Schlüsselerlebnis.

Schwierigkeit: Leicht bis moderat. Einstieg über Felsen erfordert etwas Erfahrung mit Wellengang-Timing. Mit Guide ideal für Taucher mit 10–20 Logbuch-Tauchgängen.

Miller's Point — Wenn du bereit bist für Cowsharks

Das Flaggschiff. Miller's Point ist kein Einsteiger-Spot im engsten Sinne — es gibt Strömungen, die Tiefe geht auf 20+ Meter, und die Bedingungen können sich ändern. Aber für Taucher mit solidem Open-Water-Hintergrund und einem erfahrenen Guide ist es machbar und unvergesslich.

Der Schlüssel: Tauche den Spot zum ersten Mal mit einem Guide von Ocean Divers International. Die kennen Miller's Point in- und auswendig, wissen, wo die Cowsharks patrouillieren, und können dich sicher durch die Tiefenbereiche führen. Miller's Point alleine als Einsteiger anzugehen wäre keine gute Idee — mit professioneller Führung ist es eines der besten Taucherlebnisse, die du in deinem Leben haben wirst.

Schwierigkeit: Mittel. Open Water Brevet + mindestens 20–30 Logbuch-Tauchgänge empfohlen. Immer mit Guide.

Smitswinkel Bay (SAS Pietermaritzburg) — Das Wrack für alle

Das absichtlich versenkte Kriegsschiff in Smitswinkel Bay ist eines der zugänglichsten Wrack-Erlebnisse weltweit. Die oberen Strukturen beginnen bei 18 Metern — das ist Open-Water-Gebiet. Die Bucht ist natürlich geschützt, die Strömungen sind moderat, und das Erlebnis ist schlicht außergewöhnlich.

Was das Wrack für Einsteiger so ideal macht: Es ist groß genug, um dir einen klaren Referenzpunkt zu geben (nie das Gefühl des "Verirrt-Seins"), und die 25 Jahre Unterwasserzeit haben es in ein vollständiges Riff verwandelt. Tauche außen am Rumpf entlang, über das Deck, an den Aufbauten vorbei — das reicht für zwei vollständige und eindrucksvolle Tauchgänge.

Schwierigkeit: Leicht bis mittel. Kein Spezialbrevet notwendig für die Außenseite. Nur per Boot erreichbar (Ocean Divers International fährt regelmäßig dorthin).

Die wichtigsten Grundregeln für Einsteiger in False Bay

Diese Punkte klingen vielleicht banal, aber sie machen den Unterschied zwischen einem sicheren, genussvollen Tauchgang und einem stressigen Erlebnis.

1. Immer mit einem lokalen Guide tauchen

Ich sage das nicht aus Prinzip. False Bay hat Besonderheiten — Strömungsänderungen, Kelp-Patches, Tagesbedingungen — die ein ortskundiger Guide kennt und du nicht kennst. Ein guter Guide ist keine Einschränkung deiner Freiheit, er ist der Schlüssel zu einem besseren Tauchgang. Er bringt dich zu den Cowsharks. Er weiß, wo heute der Pyjama-Hai liegt. Er sieht das Nudibranch auf dem Stein, das du übersehen hättest.

2. SMB immer mitführen

Eine Surface Marker Buoy (aufblasbare Sicherheitsboje) ist in Kapstadt für Bootsausflüge Pflicht und sollte es für alle Tauchgänge sein. False Bay hat Bootsverkehr — ohne SMB bist du an der Oberfläche für Bootsführer unsichtbar. Wenn du noch keine eigene SMB hast, leih dir eine beim Operator.

3. Kälte ernst nehmen

False Bay im Sommer hat 16–20°C — das ist wärmer als der Atlantik, aber immer noch deutlich kälter als das, woran die meisten deutschen Taucher gewöhnt sind. Mit einem 3mm-Anzug aus dem Mittelmeer wirst du nach 20 Minuten zittern. 7mm Nassanzug, 5mm Haube, 3mm Handschuhe — das ist kein Overkill, das ist der Mindeststandard.

4. Frühzeitig im Wasser sein

Der Kapstädter Südostwind baut sich oft im Tagesverlauf auf. Die besten Bedingungen — ruhigstes Wasser, geringster Wellengang, sanftester Einstieg — findest du typischerweise zwischen 7 und 10 Uhr morgens. Operator in Simon's Town starten ihre Bootstouren oft um 7:30 oder 8:00 Uhr genau aus diesem Grund.

5. Wetterflexibilität einplanen

Kapstadt-Tauchen ist kein "auf Knopfdruck" wie ein Tagesausflug zum Eiffelturm. Das Wetter spielt eine aktive Rolle. Plane mindestens 8–10 potenzielle Tauchtage ein, damit du bei wetterbedingte Ausfälle Ausweichtermine hast. Wer mit drei Tagen nach Kapstadt fliegt und davon zwei Tagen tauchen will, ist dem Zufall ausgeliefert.

Praktische Logistik: Wie du deinen ersten False-Bay-Tauchtag planst

Hier der optimale Ablauf:

  1. Buchung: Schick eine E-Mail an Ocean Divers International in Simon's Town (simon@ocdi.co.za — oder aktuelle Kontaktdaten über ihre Website), beschreibe dein Erfahrungsniveau und deine Wunschtauchgänge. Mindestens eine Woche im Voraus, in der Hauptsaison drei bis vier Wochen.
  2. Ankunft in Simon's Town: Das Jubilee Square ist das Zentrum des Tauchgeschehens. Parkplätze am Hafen sind kostenpflichtig (ca. 20 ZAR/Stunde). Frühzeitig ankommen (15–20 Minuten vor Treffpunkt).
  3. Equipment-Check: Wenn du Ausrüstung leihst, nimm dir Zeit für den Anzug-Test. Ein 7mm-Anzug muss wirklich eng sitzen — wenn Wasser einläuft, frierst du schneller.
  4. Briefing: Höre beim Pre-Dive-Briefing genau zu. Die lokalen Guides erklären dir Orientierungspunkte, Tiefen, Notfall-Protokolle und wo die Cowsharks heute wahrscheinlich sind.
  5. Nach dem Tauchen: Das Jubilee Square in Simon's Town hat gute Restaurants. Die Methode: Neopren ausziehen, duschen (die meisten Operatoren haben Umkleideeinrichtungen), und dann mit einem Post-Dive-Kaffee das Erlebnis verarbeiten.

Was erwartet dich — und was nicht

Ich möchte ehrlich mit dir sein, damit du mit den richtigen Erwartungen ankommst.

Was du in False Bay fast sicher erlebst: Eine Unterwasserwelt von erstaunlicher Dichte und Vielfalt. Pyjama-Haie. Klipfisch-Schwärme. Das visuelle Erlebnis der Riff-Strukturen und der Farbe des Wassers, die anders ist als alles, was du aus tropischen Gewässern kennst. Bei guten Tagen: Cowsharks.

Was du nicht erwarten solltest: Karibik-Wärme. Korallen-Farbenrausch. Garantierte Sicht von 20 Metern. Kapstadt ist anders — es ist nicht schlechter, es ist anders. Die Schönheit liegt in der Dramatik des Kaltwasser-Ökosystems, in der Ursprünglichkeit des Kelps, in der Intensität der Haibegegnungen.

Die Taucher, die am begeistersten aus Kapstadt zurückkehren, sind immer die, die offen für diese Andersartigkeit waren. Wenn du mit dem Ziel hinfliegst, das Beste zu erleben, was südliche Kaltwasser-Tauchen zu bieten hat — wirst du nicht enttäuscht.

Häufige Fragen

Ab wie vielen Logbuch-Tauchgängen ist False Bay geeignet?+

Für die einfachsten Spots (Windmill Beach, Castle Rock) reichen 10–20 Logbuch-Tauchgänge, wenn du mit einem erfahrenen lokalen Guide tauchst. Für Miller's Point und das Cowshark-Tauchen empfehle ich mindestens 30 Tauchgänge und ein Advanced Open Water oder vergleichbare Erfahrung.

Kann man in False Bay auch tauchen, wenn man noch nie in Kaltwasser war?+

Ja — aber plane Zeit für die Gewöhnung ein. Dein erster Tauchgang in 14–18°C-Wasser fühlt sich sehr anders an als im Mittelmeer. Plane den ersten Tag als 'Orientierungstag' ein, mit einem ruhigen Spot wie Windmill Beach und maximal zwei Tauchgängen. Vertraue deinem Guide bei der Einschätzung.

Brauche ich eine besondere Versicherung für Tauchen in Südafrika?+

Eine DAN-Taucher-Reiseversicherung (ca. 35–55 Euro/Jahr für weltweite Abdeckung) wird dringend empfohlen. Sie deckt Behandlung bei Dekompressionskrankheit (Druckkammer) ab — ein Notfall, den reguläre Reiseversicherungen oft ausschließen. Die nächste Druckkammer für Kapstadt befindet sich in der Tygerberg Universität, ca. 45 Minuten von Simon's Town entfernt.

Was sind die häufigsten Fehler von Einsteigern in False Bay?+

Erstens: zu wenig Neopren. Viele unterschätzen die Kälte und buchen mit 5mm-Anzügen — damit frierst du nach 30 Minuten. Zweitens: zu wenig Zeit einplanen. Wer nur 2–3 Tage hat und davon 2 tauchen will, riskiert, durch Wetter leer auszugehen. Drittens: ohne Guide tauchen wollen, um 'freier' zu sein — lokale Guides bringen dich zu den Highlights, die du alleine nie findest.

Über die Autorin

🤿

Lena

PADI Instructor · Cape Town

Ich zeige dir, wie du in Kapstadt sicher tauchst und die richtigen Spots für dein Level auswählst.

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