Im Mai sinkt die Wassertemperatur auf 16°C und die Sicht steigt auf 10–15 m — so startet Kapstadts beste Tauchmonate in der False Bay.
Im Mai hat die False Bay 10–15 m Sicht — Saison-Start für Kapstadts beste Tauchmonate
Die False Bay im Mai: 15–17°C Wassertemperatur, Sichtweiten von 10–15 m, kaum Tauchtouristen. Wer die Wahl hat, taucht im Mai, nicht im November, wenn die Sicht auf 3–8 m fällt und jedes Boot ausgebucht ist.
Ich starte meine Saison immer im Mai. Nicht weil es warm wäre. Es ist kalt, und das ist der Punkt. Der Kelp steht wieder dicht, die ersten Siebenkirmen-Haie kommen an Millers Point, und auf den Booten sitzt man noch unter sich. Wer Kapstadt tauchen will, muss das begreifen: Kaltwasser ist kein Nachteil. Es ist der Grund, warum hier so viel lebt.
Was passiert im Mai im Wasser?
Wassertemperatur und Thermokline
Im Mai liegen die Oberflächentemperaturen in der False Bay zwischen 15 und 17°C. Ab etwa 10 m Tiefe sinkt das Wasser auf 13–14°C, eine spürbare, aber beherrschbare Thermokline. Die Atlantikseite (Hout Bay, Oudekraal) ist nochmals 3–5°C kälter: Oberflächenwasser 10–12°C, tiefer entsprechend weniger. Wer beide Seiten kennt, weiß: Die False Bay verzeiht Fehler beim Gear. Die Atlantikseite nicht.
Der Temperaturabfall im Mai markiert das Ende der Sommerwärme. Das Kapstrom-Kaltwasser drückt von Süden herein, verdrängt das wärmere Sommerwasser und bringt Nährstoffe aus der Tiefe mit. Darauf folgt alles, was den Winter so außergewöhnlich macht: Sicht, Wildlife, Kelp.
Sicht und Strömung
Die Sicht in der False Bay verbessert sich ab Mai deutlich. Während der Sommermonate (November bis März) trüben Phytoplankton und Partikel das Wasser auf 3–8 m ein. Der Mai-Einschub bringt klares Kaltwasser aus dem offenen Ozean. Typische Sichtweiten: 10–15 m, an ruhigen Tagen auch 18 m, vor allem in Smitswinkel Bay und rund um Partridge Point. Einen ausführlichen Vergleich der Sichtweiten Winter vs. Sommer habe ich separat aufgeschrieben, weil die Unterschiede größer sind als die meisten Besucher erwarten.
Strömungen sind im Mai moderat. Der Cape Doctor, der berüchtigte Südostwind, beginnt erst im Juni richtig. Im Mai sind die meisten Spots gut zugänglich, Tauchboote können ohne Einschränkungen auslaufen.
Gear-Empfehlungen für Mai in der False Bay
Ein 7-mm-Neoprenanzug ist im Mai in der False Bay keine Option, sondern Pflicht. Wer glaubt, mit einem 5-mm-Anzug durchzukommen, wird nach dem zweiten Tauchgang zittern. Nicht wegen der Wassertemperatur allein, sondern wegen der Tauchzeit: Bei 15°C und 45–60 Minuten im Wasser rächt sich jeder eingesparte Millimeter Neopren.
Ich verwende den Cressi Diver All-in-One 7mm, einen einteiligen Anzug, der keine Kältewasserbrücken an Taille oder Handgelenken lässt. Bei einem Kombi-System (Jacke + Hose) entstehen genau dort die Schwachstellen, die nach 30 Minuten schmerzhaft werden. Der Cressi liegt preislich im Mittelfeld (ca. 200–280 €), ist aber für regelmäßige False-Bay-Tauchgänge robuster als viele günstigere Alternativen.
Zur Haube: Die Cressi Resilient Hood 3 mm reicht für die False Bay im Mai aus. Wer empfindlich auf Kälte reagiert oder auf der Atlantikseite taucht, greift zu 5 mm. Die Haube ist das am häufigsten unterschätzte Ausrüstungsstück. 40 % der Körperwärme gehen über den Kopf verloren, und ohne Haube hält man in 15°C-Wasser keine 30 Minuten durch.
Handschuhe (mindestens 5 mm) sind Standard. Eine Tauchlampe empfehle ich auch für Tagtauchgänge: In Kelp-Wäldern ist es selbst bei 15 m Sicht unter dem Blätterdach dunkel. Die Wurkkos DL10R mit 4500 Lumen ist mein tägliches Arbeitsgerät. Kompakt, wiederaufladbar per USB-C, und hell genug für die Kelp-Schatten.
Marine-Wildlife im Mai
Robben an Seal Island und Boulders Beach
Die Kap-Pelzrobbe (Arctocephalus pusillus) hat ihre Jungtierzeit hinter sich. Im Mai sind die Jungtiere groß genug, um ins Wasser zu gehen, und die Kolonie an Seal Island (ca. 64.000 Tiere) ist wieder vollständig aktiv. Taucher, die Seal Island ansteuern, begegnen neugierigen Jungtieren, die Blasen nachjagen und Flossen stupsen. Robben haben gelernt, dass Taucher harmlos sind, und nutzen die Begegnungen zum Spielen.
Boulders Beach (Afrikanischer Pinguin) ist weniger ein Taucherspot als ein Schnorchelgebiet, aber wer einen Morgengang kombiniert, Schnorcheln mit Pinguinen und Tauchen am Nachmittag in der False Bay, nutzt den Tag gut aus.
Siebenkirmen-Haie
Der Siebenkirmen-Hai (Notorynchus cepedianus) ist Kapstadts interessanteste Haiart im Winter. Der Mai markiert den Beginn der Hauptsaison (Mai bis August). Diese Haie sind keine Weißen Haie: langsamer, neugieriger, und sie begegnen Tauchern auf Augenhöhe. Ich habe sie in 5–15 m Tiefe an Millers Point angetroffen, manchmal allein, manchmal zu dritt. Näher als 1,5 m kommen sie selten, solange man ruhig bleibt.
Millers Point ist der zugänglichste und zuverlässigste Spot für Siebenkirmen-Sichtungen in der False Bay. Smitswinkel Bay und Partridge Point sind Alternativen. Die Haie folgen dem Robbenbestand und dem Nahrungsangebot; im Mai ist beides auf dem Weg zum Winterpeak.
Kelp-Wald und Makrofauna
Der Riesenseetang (Ecklonia maxima) wächst in der False Bay bis zu 8 m hoch. Im Mai steht er wieder dicht, nachdem die Sommerstürme Teile davon abgerissen haben. Unter dem Blätterdach: Oktopusse in Steinhöhlen, Nudibranchien in Dutzenden Arten, Seesterne in Gelb und Orange. Wer langsam taucht und die Kamera dabei hat, findet in 10 m Tiefe mehr Motive als in manchen tropischen Riffen.
Besonders an Partridge Point: Der Spot ist flach (6–12 m), strömungsarm, und die Kelp-Dichte ist selbst für Kapstadtverhältnisse außergewöhnlich. Anfängertaucher, die ihren ersten Kaltwassergang machen, fange ich dort ein.
Sardine Run: der Vorläufer
Der eigentliche Sardine Run (Sardina pilchardus) findet im Juni und Juli statt, wenn Milliarden Sardinen die Ostküste Südafrikas hochziehen. Im Mai gibt es erste Vorläufer, kleinere Schwärme, die an der False-Bay-Ostküste auftauchen und Raubtiere anziehen. Den vollen Run sieht man im Mai nicht. Aber wer im Mai da ist, hat die besten Chancen auf Frühbucher-Plätze für die Juni/Juli-Trips.
False Bay vs. Atlantikseite im Mai
| Merkmal | False Bay (Mai) | Atlantikseite (Mai) |
|---|---|---|
| Wassertemperatur | 15–17°C | 10–12°C |
| Sichtweite | 10–15 m | 8–15 m |
| Hauptwildlife | Siebenkirmen-Haie, Robben, Kelp | Dichte Kelp-Wälder, Nudibranchien, Krabenarten |
| Pflicht-Neopren | 7 mm Einteiler | 7 mm + Trockenanzug ab 10 m empfohlen |
| Eignung Einsteiger | Gut (Partridge Point, Gordon's Bay) | Eingeschränkt (Kältemanagement schwieriger) |
| Bootsanfahrt | Simons Town, Gordon's Bay | Hout Bay, Camps Bay |
Eine vollständige Monatsübersicht der Wassertemperaturen für beide Seiten habe ich als separate Referenztabelle aufgestellt, nützlich für alle, die ihren Kapstadt-Trip monatsgenau planen wollen.
Beste Tauchspots in der False Bay im Mai
Millers Point
Der klassische Winterspot. In 5–15 m Tiefe verlaufen Felsrippen, Sandflächen und Kelp-Inseln direkt vor dem Anlegesteg. Im Mai tauchen hier die ersten Siebenkirmen-Haie auf; gleichzeitig ist der Spot bei ruhiger See ideal für Orientierungstauchgänge. Tauchtiefe: 5–18 m. Zugänglichkeit: direkt vom Ufer und per Boot.
Smitswinkel Bay
Für Wrack-Taucher die erste Adresse in der False Bay. In 17–30 m Tiefe liegen mehrere alte Schiffe, darunter die MV Coronation (19 m) und die Oakburn (30 m). Im Mai ist die Sicht hier oft am besten im Jahr, weil kaum Strömung herrscht und das Kaltwasser bereits klar ist. Empfehlung: morgens tauchen, wenn die Thermokline noch nicht aufgebrochen ist.
Partridge Point
Flach, ruhig, Makro-Paradies. 6–12 m Tiefe, kein Bootsverkehr, dichter Kelp. Ich bringe Anfänger und Makrofotografen hierher, die einen, weil der Spot fehlerverzeiht ist, die anderen wegen der Artenvielfalt in dieser Tiefe. Im Mai: Nudibranchien, Krakenweibchen mit Eiern, Seesterne in großer Zahl.
Gordon's Bay
Wenn der Südostwind später im Jahr einsetzt, weicht man nach Gordon's Bay aus, die Bucht liegt im Windschatten. Im Mai ist das noch kein Thema, aber Gordon's Bay ist auch ohne Ausweichgrund einen Tauchgang wert: sandige Freiflächen in 10–18 m Tiefe, Rochen, gelegentlich Anglerfische. Gut als zweiter Spot nach einem Morgen in Millers Point.
Wann buchen? Mai-Logistik
Der Cape Doctor, Kapstadts berüchtigter Südostwind, der im Sommer stundenlang mit 40–60 km/h aus dem False-Bay-Inneren bläst, ist im Mai noch nicht dominant. Die meisten Maitage sind windarm bis moderat, was bedeutet: Boote laufen zuverlässig aus, Tagesplanung ist unkompliziert.
Buchungsvorlauf für Mai: 4–6 Wochen. Das ist weniger als für die Kernsaison (Juni/Juli, Sardine-Run-Fenster), aber mehr als man für spontane Reisen erwartet. Kapstadt ist kleiner als viele denken. Die Tauchangbieter in Simons Town haben zusammen vielleicht 80–100 Plätze pro Tag, und die füllen sich auch im Mai. Wer im Mai tauchen will, bucht im März.
Unterkunft: Simons Town ist die beste Basis für False-Bay-Tauchgänge. Kurze Anfahrt zum Boot, Nachmittagsspaziergänge zu Boulders Beach, gute Auswahl an Guesthouses in 70–150 € pro Nacht.
Häufige Fragen
Wie kalt ist das Wasser in der False Bay im Mai?+
Die Wassertemperatur in der False Bay liegt im Mai an der Oberfläche bei 15–17°C. Ab etwa 10 m Tiefe sinkt sie auf 13–14°C. Ein 7-mm-Neoprenanzug ist Pflicht. Mit 5 mm wird man nach dem zweiten Tauchgang deutlich zu kalt.
Ist die Sicht im Mai besser als im Sommer?+
Ja, deutlich. Im Sommer (November bis März) liegt die Sicht in der False Bay oft bei nur 3–8 m, weil Phytoplankton und Partikel das Wasser trüben. Im Mai bringt das einströmende Kaltwasser klare Bedingungen mit 10–15 m Sichtweite, an ruhigen Tagen auch bis 18 m.
Welche Haie sieht man im Mai in der False Bay?+
Im Mai beginnt die Hauptsaison der Siebenkirmen-Haie (Notorynchus cepedianus), eine der interessantesten Haiarten für Taucher, da sie neugierig und in mittlerer Tiefe (5–15 m) anzutreffen sind. Dazu kommen Katzenhaie und Zitterrochen. Weiße Haie sind in der False Bay das ganze Jahr möglich, aber selten direkt bei Tauchgängen sichtbar.
Was ist der Unterschied zwischen False Bay und Atlantikseite im Mai?+
Die False Bay ist im Mai 3–5°C wärmer als die Atlantikseite (15–17°C vs. 10–12°C). Dafür hat die Atlantikseite (Hout Bay, Oudekraal) dichtere Kelp-Wälder und eine andere Artenvielfalt. Einsteiger tauchen besser in der False Bay; erfahrene Taucher, die Kaltwasser gewohnt sind, sollten beide Seiten kombinieren.
Brauche ich einen Trockenanzug für die False Bay im Mai?+
Für die False Bay reicht im Mai ein 7-mm-Neoprenanzug (Einteiler) plus 3-mm-Haube und 5-mm-Handschuhe. Auf der Atlantikseite ist ein Trockenanzug ab 10 m Tiefe empfehlenswert, weil die Temperaturen dort auf 10–12°C fallen. Wer beide Seiten abdecken will, macht mit Trockenanzug nichts falsch. Wer nur die False Bay taucht, kommt ohne gut aus.




