7mm Neopren, Haube, Handschuhe, Backup-Licht: diese Ausrüstung ist in Kapstadt nicht optional.
Warum Kapstadt eine eigene Ausrüstungs-Kategorie ist
Wenn ich Taucher begrüße, die aus Ägypten, Thailand oder der Karibik kommen und denken, ihre vorhandene Ausrüstung reicht, muss ich manchmal ein unangenehmes Gespräch führen. Kapstadt ist kein tropisches Tauchgebiet. Das Atlantikwasser vor Oudekraal kann im August auf 10°C sinken. Selbst False Bay im Sommer bleibt unter 20°C. Mit einem 3mm-Anzug, wie er im Roten Meer perfekt passt, bist du in Kapstadt nach 20 Minuten zitternd und unfähig, sicher aufzutauchen.
Ich schreibe das nicht, um zu erschrecken. Ich schreibe es, weil ich zu oft gesehen habe, wie Taucher mit falscher Ausrüstung ihren Tauchgang — und manchmal sich selbst — in Gefahr bringen. Kapstadt-Tauchen ist wunderschön, aber es erfordert respektvolle Vorbereitung.
Der Anzug: 7mm ist Minimum, nicht Maximum
Die Grundregel: 7mm Neopren-Nassanzug als absolute Untergrenze. Für den Atlantik im Winter, für lange Tauchgänge, für kälteempfindliche Taucher — denke eher über 7mm Einteiler plus Unterzieher nach.
Einteiler oder Zweiteiliger Anzug?
Einteiler (Monosuit) sind besser isoliert, weil es keine Dichtungslücke an der Körpermitte gibt. Zweiteilige Systeme (5mm Hose + 7mm Jacket) geben mehr Flexibilität beim Anziehen und können besser angepasst werden, wenn du sowohl in False Bay (wärmer) als auch am Atlantik (kälter) tauchst. Ich trage selbst einen 7mm Einteiler mit integriertem Fleece-Futter für alle Atlantik-Tauchgänge und einen einfachen 7mm Einteiler für False Bay im Sommer.
Wichtig beim Kauf: Neopren qualität. Günstiger Neopren verliert seine Isolationswirkung nach 50–100 Tauchgängen erheblich. Marken wie Mares, Cressi, Scubapro oder Waterproof bieten verlässliche Qualität. Erwarte für einen guten 7mm Einteiler mindestens 280–400 Euro.
Trockentauchanzug — für manche die bessere Option
Wenn du regelmäßig in Kapstadt tauchst, kälteempfindlich bist, oder vorhast, längere Tauchgänge (>45 Minuten) am Atlantik zu machen, lohnt sich ein Trockentauchanzug. Die Anschaffungskosten sind höher (ab ca. 1.000 Euro für einen guten Einsteiger-Trockis), aber der Komfortgewinn ist enorm. Außerdem: Trockis erlauben viele Stunden unter Wasser, bevor du wirklich kalt wirst — das ist für Fotografie und Filmarbeit ein enormer Vorteil.
Wichtig: Einen Trockenanzug erst benutzen, wenn du ein Trockenanzug-Specialty-Kurs absolviert hast. Das Auftriebsverhalten ist fundamental anders als beim Nassanzug, und unkontrolliertes Aufsteigen ist ein reales Risiko für unerfahrene Trockis-Taucher.
Die Haube: 5mm, immer
Kälteverlust findet am stärksten über den Kopf statt — das gilt auch und besonders unter Wasser. Eine 5mm Neopren-Haube ist in Kapstadt Pflicht, keine Option. Ich kenne Taucher, die ihre gute Wetsuit-Kombination mit dem Verzicht auf die Haube ruiniert haben und nach 30 Minuten mit Kopfschmerzen und Schüttelfrost aus dem Wasser mussten.
Achte darauf, dass die Haube gut mit dem Anzug-Kragen abschließt, ohne zu drücken. Ein offener Spalt zwischen Haube und Kragen lässt kaltes Wasser direkt in den Nacken fließen — das merkst du sehr schnell. Gute Kombinations-Anzüge haben einen speziellen Kragen-Design für Haube-Kompatibilität.
Handschuhe: 3mm, und zwar gute
Hände verlieren ebenfalls schnell Wärme, und außerdem brauchst du Fingergefühl — für Ausrüstungsbedienung, für das Halten einer Kamera, für das Navigieren im Kelp. 3mm fünffingerige Handschuhe sind der Standard. Manche Taucher bevorzugen bei sehr kaltem Atlantikwasser 5mm Fausthandschuhe, die wärmer sind, aber das Fingergefühl einschränken.
Was in Kapstadt verboten ist (und an den meisten Spots auch illegal): Handschuhe aus Mesh oder Netz-Material, die eigentlich für Tarierung gedacht sind. Die sind in Südafrika aus Naturschutzgründen verboten — mit solchen Handschuhen ist es verlockend, Riff und Tiere zu berühren.
Der Regler: Das vergessene Detail
Das ist der Punkt, den die meisten Taucher übersehen, bis es zu spät ist. Nicht alle Regler sind für Temperaturen unter 10°C zugelassen. Bei sehr kaltem Wasser kann der erste Stufe des Reglers einfrieren — das Ventil öffnet sich und gibt unkontrolliert Luft ab. Ergebnis: Du verlierst deine gesamte Luft in Minuten. Das ist ein lebensbedrohlicher Notfall.
Kaltwasser-Regler haben eine spezielle Konstruktion (oft mit Umgebungsluft-Isolation oder speziellen Ventilmaterialien), die das Einfrieren verhindert. Die relevanten Zulassungs-Normen sind in der EU EN 250 (für alle Temperaturen) und EN 250A (speziell für kaltes Wasser unter 10°C). Wenn du deinen eigenen Regler mitbringst und er nicht EN 250A zertifiziert ist, leihst du dir am Atlantik im Winter einen lokalen Regler. Das ist nicht übertrieben — das ist sicherheitsrelevant.
Bei der Ausrüstungsmiete vor Ort: Frage ausdrücklich nach kaltwasser-zertifizierten Reglern. Seriöse Operator wie Ocean Divers International verwenden ausschließlich korrekte Ausrüstung.
Sicherheits-Pflicht-Ausrüstung
Über Anzug und Regler hinaus gibt es weitere Gegenstände, die ich als absolut obligatorisch betrachte:
- SMB (Surface Marker Buoy): Eine aufblasbare Sicherheitsboje, die du an der Oberfläche aufbläst, bevor du auftauchst. In Kapstadt herrscht Bootsverkehr, und ohne SMB bist du an der Oberfläche für Bootsführer unsichtbar. Kein Tauchen ohne SMB. Das ist in Südafrika für alle Bootsausflüge Pflicht.
- Pfeife am BCD: Für Notfall-Signale an der Oberfläche. Dazu optional ein Spiegel-Signal oder Tauchermesser für Lärm-Erzeugung.
- Backup-Tauchlampe: Für Kelp und Wracks essentiell (eigenes Kapitel oben). Auch bei Tag-Tauchgängen in Kelp-Wäldern empfohlen.
- Strömungshaken (Current Hook): Für Atlantik-Spots, wo Strömungen auftreten können. Ein Haken, der sich am Riff verankert, erlaubt dir, in Strömung still zu bleiben, ohne gegen sie anzukämpfen und Luft zu verschwenden.
- Kompass: Im Kelp und bei eingeschränkter Sicht absolut notwendig. Nicht auf Unterwasser-Navigation per GPS verlassen — die Geräte sind teuer und im Salzwasser fehleranfällig.
Ausrüstungs-Miete vor Ort vs. eigene Ausrüstung mitbringen
Eine häufige Frage: Soll ich meine eigene Ausrüstung mitbringen oder alles vor Ort mieten? Meine Antwort:
- Eigene Tauchmaske, Schnorchel, Flossen: Immer mitbringen. Das ist sehr persönlich und schlecht zu ersetzen, wenn die Miet-Maske nicht dichtet.
- Eigener Anzug + Haube + Handschuhe: Sehr empfehlenswert, wenn du bereits Kaltwater-Ausrüstung hast. Mieten ist möglich (ca. 150–200 ZAR pro Tag), aber eigene Ausrüstung passt besser.
- BCD und Regler: Wenn du einen kaltwasser-zertifizierten Regler hast, bring ihn mit. Sonst: mieten ist absolut in Ordnung bei seriösen Operatoren. BCD-Miete ca. 100 ZAR/Tag, Regler ca. 150 ZAR/Tag.
- Tank: Immer vor Ort, das Mitfliegen ist nicht praktisch und nicht nötig.
Häufige Fragen
Kann ich meinen 5mm Anzug aus dem Mittelmeer für Kapstadt nehmen?+
Für False Bay im Sommer (16–20°C) vielleicht gerade noch, aber du wirst kalt sein. Für den Atlantik oder False Bay im Winter ist ein 5mm Anzug unzureichend. Ich empfehle, dir vor Ort einen 7mm Anzug zu leihen, statt dich durchzufrieren.
Wie erkenne ich einen Kaltwasser-Regler?+
Schau nach der EN 250A Zertifizierung im Handbuch oder auf dem Gerät. Bekannte Kaltwasser-Regler-Linien sind z.B. Mares Prestige, Scubapro MK25 EVO, Apeks XTX Serie oder Atomic. Wenn du dir nicht sicher bist — frag beim Tauchop vor Ort.
Was kostet eine komplette Ausrüstungsmiete bei einem lokalen Operator?+
Eine komplette Miete (Anzug, BCD, Regler, Tank, Haube, Handschuhe) kostet bei den meisten Kapstadt-Operatoren 300–450 ZAR pro Tag (ca. 15–22 Euro). Das ist deutlich günstiger als in Deutschland, und die Qualität der Mietausrüstung ist bei etablierten Operatoren gut.
Sind Tauchflossen für Kelp-Tauchen anders als normal?+
Kurze, starre oder Split-Finnen funktionieren im Kelp besser als lange Schaufelflossen. Lange Finnen verhaken sich leichter in Stielen. Wenn du eigene lange Flossen hast, frag den Operator nach Leih-Kurzfinnen für Kelp-Spots.