Kelp-Tauchen ist das Markenzeichen von Cape Town. Dieser Guide zeigt dir Einstieg, Ausrüstung und Sicherheits-Setup für Tangwälder.
Was Kelp-Tauchen in Kapstadt einzigartig macht
Es gibt Tauchgänge, die man beschreiben kann. Und dann gibt es Kelp-Tauchen in Kapstadt. Wenn du zum ersten Mal in einen Wald aus Ecklonia maxima eintauchst — diese riesige Braunalge, die bis zu sieben Meter in die Höhe wächst und dabei ganze Unterwasserwälder bildet — dann verstehst du sofort, warum Taucher aus der ganzen Welt extra dafür hierherkommen. Die Stiele wiegen sich in der Strömung, das Sonnenlicht bricht durch das dichte Baldachin in tausend Strahlen, und zwischen den Stielen wimmelt es von Leben: Pyjama-Haie dösen in den Ritzen, Oktopusse lugen unter Vorsprüngen hervor, und Schysharks rollen sich ein, wenn du zu nah kommst.
Ich habe meinen ersten Kelp-Tauchgang in Oudekraal gemacht, damals noch als frisch zertifizierter Open-Water-Taucher. Ich war komplett überfordert — im besten Sinne. Drei Meter über mir schaukelte der Kelp-Baldachin, und ich hatte keinerlei Orientierung. Heute, nach hunderten von Kelp-Tauchgängen, ist genau dieses Gefühl das, was meine Gäste am häufigsten beschreiben: überwältigt und fasziniert gleichzeitig.
Ecklonia maxima: Die Biologie des Kelp
Bevor wir zu den Spots und Tipps kommen, ein kurzer Blick auf den Kelp selbst — denn wer ihn versteht, taucht besser darin. Ecklonia maxima ist eine endemische Braunalge, die fast ausschließlich entlang der Westküste Südafrikas vorkommt. Sie ist an einem Haftkörper (Holdfast) am Fels befestigt, wächst auf einem starren Stiel und bildet eine breite, bandförmige Klinge an der Oberfläche — das ist der Baldachin, der das Licht abfängt.
Das Wachstum ist erstaunlich: In guten Bedingungen wächst Kelp bis zu 30 Zentimeter pro Tag. Die Wälder, durch die du tauchst, sind ein dynamisches Ökosystem. Bei starkem Wellengang reißen Teile ab, neue wachsen nach. Das bedeutet auch: Die Konfiguration eines Kelp-Waldes ändert sich nach Sturmereignissen. Ein Spot, den du im Oktober gut kennst, kann im März nach einem Wintersturm ganz anders aussehen.
Die besten Kelp-Spots in Kapstadt
Oudekraal — Der Klassiker für Einsteiger
Oudekraal liegt an der M6 zwischen Camps Bay und Hout Bay, direkt am Straßenrand. Du parkt auf dem kleinen Schotterplatz neben der Outdekraal-Picknickanlage (Eintritt für den Park wird gelegentlich erhoben, ca. 20 ZAR). Der Einstieg ist ein steiniger Strand mit moderat schwierigem Wellengang — nicht für absolute Anfänger, aber für alle mit ein bisschen Erfahrung machbar.
Die Kelp-Wälder hier beginnen bereits in drei bis vier Meter Tiefe und erstrecken sich bis etwa zwölf Meter. Die Sicht ist stark wetterabhängig: An ruhigen Herbsttagen (März bis Mai) hast du oft 10 bis 15 Meter Sicht und siehst den gesamten Wald von unten nach oben. Der Spot ist ideal für dein erstes Kelp-Erlebnis, weil es keine gefährlichen Strömungen gibt und der Rückweg zum Strand gut navigierbar ist.
Was du siehst: Pyjama-Haie (Poroderma africanum) fast garantiert, Klipfisch in Scharen, Steinbutt, Oktopusse, im Frühjahr gelegentlich Cape-Bream.
Camps Bay Reef (Sandy Bay Reef)
Dieser Spot ist für Bootseinsteige ausgelegt und liegt etwas weiter draußen als Oudekraal. Die Kelp-Dichte ist hier extremer, und der Spot ist weniger bekannt — was bedeutet, dass du ihn oft fast alleine hast. Du brauchst einen lokalen Operator mit Boot; ich empfehle, bei Cape Town Diving oder einem der Simon's Town Operator anzufragen, wer aktuell hierher fährt.
Die Tiefe geht bis etwa 18 Meter. Das Lichtspiel in den tiefen Kelp-Schächten an sonnigen Tagen ist schlicht außergewöhnlich.
Stone Steps, Hout Bay
Der Name kommt von den gemeißelten Steinstufen, die den Einstieg ins Wasser erleichtern. Stone Steps liegt am nördlichen Rand von Hout Bay, erreichbar über die Hout Bay Road. Parken ist am Straßenrand möglich. Der Einstieg ist deutlich komfortabler als Oudekraal, was ihn besonders für Taucher mit viel Ausrüstung attraktiv macht.
Hier findest du neben Kelp-Wald auch felsige Riffstrukturen in vier bis zehn Meter Tiefe, die reich besiedelt sind. Besonders die Pyjama-Haie und Shysharks sind hier häufig anzutreffen. Shysharks — korrekt Haploblepharus edwardsii — haben diese charmante Angewohnheit, sich einzurollen, wenn sie sich bedroht fühlen. Nie anfassen, aber beobachten ist ein Erlebnis.
Navigation im Kelp-Wald: Das musst du wissen
Kelp-Wälder sind keine Strecke, die du geradeaus durchschwimmst. Du musst navigieren, und das erfordert ein paar Techniken, die du vorher üben solltest.
- Auftauch-Regel: Bevor du an der Oberfläche auftauchst, halte eine Hand über deinen Kopf und drehe dich langsam um 360 Grad. Kelp-Stiele an der Oberfläche können wie eine Wand sein und die Dekompression blockieren — worst case: du tauchst auf und hast keine Luft mehr im Atemregler, weil du stecken bleibst. Das klingt dramatisch, passiert aber wirklich.
- Tiefstrom nützen: Der Weg durch einen Kelp-Wald ist oft am Boden am einfachsten, wo der Stiele-Abstand größer ist. Bleib nahe am Riffboden, navigiere zwischen den Haltefüßen (Holdfasts) hindurch.
- Tauchlampe: Selbst bei guter Sicht wird es im Kelp-Baldachin sehr dunkel. Eine Backup-Lampe ist kein optionales Extra, sondern Standard-Ausrüstung.
- Kompass-Bearing vor dem Einstieg: Nimm dir fünf Minuten am Eintrittspunkt, orientiere dich, merke dir Landmarken (der markante Felsen links, die Bootstonne rechts). Im Kelp verlierst du die Orientierung schneller, als du glaubst.
Ausrüstung spezifisch für Kelp-Tauchen
Zur allgemeinen Kapstadt-Ausrüstung (7mm Anzug etc.) kommen beim Kelp-Tauchen ein paar spezifische Punkte:
- Keine langen Finnen: Lange Schaufeln verhaken sich schneller in Kelp-Stielen. Viele Kelp-Taucher bevorzugen kürzere Gummifinnen oder Split-Finnen mit kleinerem Profil.
- Keine losen Gurte oder Schlaufen: Alles muss eng anliegend gesichert sein. Lose Inflator-Schläuche, baumelnde Schläuche oder Clips sind eine Einladung für Kelp-Verhakelung.
- Schneidmesser: Nicht als Waffe, sondern als Sicherheitswerkzeug. Solltest du dich wirklich in Kelp verfangen (passiert selten, wenn du ruhig bleibst), ist ein kleines Messer oder ein Linienschneider am BCD essentiell. In Südafrika sind Messer am BCD erlaubt und bei lokalen Tauchern Standard.
- Tauchlampe: Minimum 200 Lumen primäre Lampe, dazu ein Backup. Ich verwende selbst eine 800-Lumen-Hauptlampe für Kelp-Touren.
Was du unter dem Kelp-Baldachin antreffen wirst
Der Kelp-Wald ist ein vollständiges Ökosystem, und die Artenvielfalt überrascht die meisten Besucher. Hier ein Überblick über das, was du mit hoher Wahrscheinlichkeit siehst:
- Pyjama-Haie (Poroderma africanum): Unverkennbar durch ihre gestreiften Muster, legen sie die meiste Zeit regungslos auf dem Boden. Keine Gefahr für Taucher.
- Shysharks: Kleiner, rollen sich bei Annäherung ein. Ein Verhalten, das Millionen Jahre Evolution verewigt hat.
- Klipfisch (Sparidae, div. Arten): In Scharen unter dem Baldachin, sehr fotogen.
- Oktopusse: Fast immer unter Felsvorsprüngen zu finden. Sehr intelligent, oft neugierig, aber scheu.
- Cape Spiny Lobster (Jasus lalandii): Der kapstädter Langusten. Sieht schön aus, ist vollständig geschützt. Nicht anfassen, nicht einsammeln — das wird mit hohen Geldstrafen geahndet.
- Nudibranchen: Im Frühjahr besonders artenreich. Es gibt hunderte Arten in False Bay allein.
Sicherheitsregeln für Kelp-Tauchen
Kelp-Tauchen ist sicher, wenn du die Grundregeln kennst. Die häufigste Gefahr ist Panik, nicht der Kelp selbst. Wenn du dich verhakst: Stop. Breathe. Think. Act. Dreh dich ruhig, mach langsame Bewegungen, folge dem Stiel in Richtung seines Ursprungs (nach unten) und befreie dich. Hektische Bewegungen verschlimmern die Situation nur.
Ich empfehle jedem, seinen ersten Kelp-Tauchgang mit einem erfahrenen lokalen Guide zu machen. Ocean Divers International in Simon's Town bietet geführte Kelp-Tauchgänge an, ebenso die meisten Hout-Bay-Operator. Das erste Mal solltest du nicht alleine im Kelp sein.
Häufige Fragen
Brauche ich eine spezielle Zertifizierung für Kelp-Tauchen?+
Nein, ein Open-Water-Brevet reicht grundsätzlich. Aber Erfahrung im Umgang mit eingeschränkter Sicht und enger Umgebung ist wichtig. Ein Advanced Open Water oder vergleichbare Erfahrung macht dich deutlich sicherer im Kelp.
Ist Kelp gefährlich? Kann ich mich wirklich darin verfangen?+
Kelp kann sich um Ausrüstung wickeln, ist aber kein aktiver Angreifer. Mit sauber gesicherter Ausrüstung, einem Messer am BCD und dem Wissen, ruhig zu bleiben, ist die Gefahr minimal. Die meisten erfahrenen Kapstadt-Taucher sehen Kelp-Verhakelung als lästig, nicht als bedrohlich.
Wann ist die Sicht im Kelp am besten?+
An den Atlantik-Spots (Oudekraal, Sandy Bay) ist die Sicht in den ruhigen Herbstmonaten März bis Mai und im Frühjahr Oktober bis November am besten. Nach Sturmereignissen kann sie 24–48 Stunden lang schlecht sein, danach erholt sie sich oft schnell.
Welcher Spot ist für absolute Kelp-Einsteiger am besten geeignet?+
Oudekraal ist die klassische Empfehlung: gut erreichbar, moderate Tiefe, keine gefährlichen Strömungen. Stone Steps in Hout Bay ist eine gute Alternative mit einfachem Einstieg. Beide lassen sich gut mit einem lokalen Guide buchen.