Kapstadt hat je nach Bucht komplett unterschiedliche Bedingungen. Hier siehst du Monat für Monat, wann False Bay oder Atlantik die bessere Wahl ist.
Kurzantwort: Wann ist die beste Zeit zum Tauchen in Kapstadt?
Wenn du nur eine Empfehlung willst: März bis Mai sowie September bis Dezember sind die besten Monate für Tauchen in Kapstadt. In diesen Zeiträumen sind Wind und Wellengang stabiler, die Sicht oft besser, und viele der attraktivsten Spots sind zuverlässig erreichbar. Aber — und das ist wichtig — Kapstadt ist keine Stadt mit einer simplen Saison. Hier tauchst du an zwei fundamentell verschiedenen Gewässersystemen, und das ändert alles.
Ich tauche seit Jahren in Kapstadt, habe hunderte Briefings mit Gästen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz gemacht, und die häufigste Enttäuschung ist immer dieselbe: jemand hat sich auf "Cape Town im Januar" gefreut, weil Südafrika = Sommer, und dann war die Sicht in False Bay wegen der saisonalen Algenblüte auf drei Meter zusammengeschrumpft. Mit einem Monat Planung vorher hätte man das leicht vermieden.
Die zwei Ozeane Kapstadts — und warum das alles verändert
Kapstadt liegt an der Spitze Afrikas, wo der Atlantische Ozean und der Indische Ozean aufeinandertreffen. Das klingt nach Romantik, hat aber sehr praktische Konsequenzen für dich als Taucher.
Der Atlantik (Westküste, Atlantic Seaboard): Spots wie Oudekraal, Camps Bay und Clifton liegen am Atlantik. Das Wasser ist kalt — ich meine wirklich kalt. Im Winter kann die Temperatur auf 10°C fallen, im Sommer klettert sie selten über 14°C. Der Atlantik ist nährstoffreich durch den Benguelastrom, was wiederum für üppige Unterwasserwälder aus Ecklonia-maxima-Kelp sorgt. Die Sicht ist hier oft besser als in False Bay, kann aber durch starke Sommerwinde (der berüchtigte Kapstädter Südostwind, der "Cape Doctor") und Wellengang schnell auf wenige Meter einbrechen.
False Bay (Ostküste, Südosten): Simon's Town, Miller's Point, Fish Hoek und die Smitswinkel Bay liegen alle in oder an False Bay. Hier ist das Wasser spürbar wärmer, zwischen 14°C und 20°C je nach Jahreszeit. Die Bucht bietet natürlichen Schutz vor dem Südostwind, was sie für Bootsoperatoren und Taucher an schlechten Tagen attraktiver macht. Aber False Bay hat im Sommer ihr eigenes Problem: Algenblüten. Von Januar bis Februar explodieren die Phytoplankton-Bestände, die Sicht fällt auf drei bis fünf Meter, manchmal noch weniger. Das ist kein Gerücht — das passiert zuverlässig jedes Jahr.
Monat für Monat: Kapstadt-Tauchen durch das Jahr
Januar und Februar — Vorsicht in False Bay
Es ist Hochsommer in Südafrika. Straßencafés in der V&A Waterfront sind voll, der Tafelberg zieht täglich Tausende Wanderer an, und ja — es ist warm an Land. Aber unter Wasser in False Bay herrscht der saisonal garantierte Algenboom. Die warmen Temperaturen und langen Sonnentage befeuern das Phytoplankton-Wachstum, und die Sicht kollabiert regelrecht. Ich hatte im Februar Tauchgänge an Miller's Point mit weniger als zwei Meter Sicht. Das ist kein Spaß.
Was in dieser Zeit trotzdem funktioniert: Atlantik-Spots wie Oudekraal oder die Kelp-Wälder bei Camps Bay. Der Südostwind ist ein Problem, aber wenn du einen Windstillen Tag erwischst, kann die Sicht dort auf 15 bis 20 Meter steigen. Außerdem: Wer flexibel ist und früh aufsteht (vor dem Wind), findet manchmal perfekte Fenster.
März bis Mai — Die erste Hauptsaison
Das ist mein persönlicher Favorit. Der Sommer klingt ab, der Südostwind beruhigt sich, und die Algenblüte in False Bay ist vorbei. Die Sichtweite steigt auf 8 bis 15 Meter, die Temperaturen sind angenehmer für Bootsoperationen, und die Kapkabeljau-Haie (Cowsharks) — offiziell Breitnasen-Siebensiemer, Notorynchus cepedianus — sind an Spots wie The Pinnacles und Miller's Point besonders aktiv. Ich hatte im April Tauchgänge mit sieben oder acht dieser majestätischen Tiere gleichzeitig. Das vergisst man nicht.
Auch praktisch: Kapstadt ist im Herbst deutlich ruhiger als im Hochsommer. Hotels sind günstiger, Tauchoperatoren haben mehr Zeit für dich, und die Straßen sind nicht verstopft. Wenn du vorhast, auch Landausflüge (Weinstraße, Kap der Guten Hoffnung, Boulders Beach) einzuplanen, ist das die beste Kombination.
Juni und Juli — Winter, aber nicht abschreiben
Der kapstädter Winter ist mild nach europäischen Maßstäben, aber die See kann wild sein. Regenfronten aus dem Atlantik treiben Wellengang und Sichtprobleme vor sich her. Das bedeutet nicht, dass Tauchen unmöglich ist — aber es bedeutet, dass du flexibler sein musst. Viele Touren fallen an Regentagen aus, und das Booking kurzfristig umzubuchen kann stressig werden, wenn du nur eine Woche hast.
Was im Winter spannend ist: Falls du vorhast, den Sardine Run zu erleben, liegt der in KwaZulu-Natal zwischen Juni und Juli — ein triftiger Grund, im Winter nach Südafrika zu fliegen und Kapstadt als Basis zu nutzen oder vorher/nachher einzubauen.
August — Der Übergangsmonat
August ist unberechenbar. Manchmal hervorragende Bedingungen, manchmal mieses Wetter. Aber die Cowsharks beginnen, in False Bay häufiger zu werden, und die Wassertemperatur ist auf dem Jahrestief — was paradoxerweise für Nährstoffreichtum und damit für mehr Meeresleben sorgt. Wenn du in diesem Monat tauchen willst, plane mindestens acht bis zehn Tage ein, damit du genug Ausweichtermine hast.
September bis November — Die zweite Hauptsaison
Frühling in Südafrika. Das Wasser ist noch kalt (10 bis 14°C am Atlantik, 14 bis 17°C in False Bay), aber die Bedingungen stabilisieren sich. Die Cowsharks sind nach wie vor präsent. Nudibranchen-Saison beginnt in False Bay — hunderte Arten in leuchtenden Farben. Die Sicht in der Smitswinkel Bay (wo die SAS Pietermaritzburg liegt) ist oft ausgezeichnet.
Oktober und November sind für mich besonders empfehlenswert, wenn du das beste Preis-Leistungs-Verhältnis willst: gute Bedingungen, noch nicht die volle Tourismuswelle des Dezembers.
Dezember — Hochsaison, früh buchen
Dezember kann wunderschön sein — und ist der teuerste und voll besetzte Monat. Der Südostwind ist noch nicht in seinem Sommer-Modus, die Algenblüte hat noch nicht begonnen. Wer Weihnachten in Kapstadt verbringen will und dabei taucht, sollte Operators und Unterkünfte mindestens sechs Monate im Voraus buchen. Die besten Tauchoperatoren in Simon's Town sind im Dezember wochen vorher ausgebucht.
Temperatur-Tabelle: Was dich erwartet
Hier die ungefähren Wassertemperaturen, die du für deine Ausrüstungsplanung benötigst:
- Atlantik (Westküste), Winter (Juni–August): 10–12°C
- Atlantik (Westküste), Sommer (Dez–Feb): 12–14°C
- False Bay, Winter (Juni–August): 13–16°C
- False Bay, Sommer (Dez–Feb): 16–20°C
Die Konsequenz für die Ausrüstung: 7mm Nassanzug, 5mm Haube und 3mm Handschuhe sind das absolute Minimum. Ich trage selbst einen 7mm Einteiler mit Fleecefutter und friere nach einem Stunden-Tauchgang immer noch. Wer kälteempfindlich ist, sollte über einen Trockentauchanzug nachdenken — besonders für Atlantik-Spots im Winter.
Mein persönlicher Rat für Erstbesucher
Buche zwischen Mitte März und Ende April, oder zwischen Oktober und Mitte Dezember. Plane mindestens acht bis zehn Tauchertage ein (also eine Reise von mindestens 12–14 Tagen, um auch Landausflüge einzuplanen). Kontaktiere einen Operator wie Ocean Divers International in Simon's Town oder Orca Industries in Hout Bay frühzeitig — die kennen die Bedingungen und können spontan auf Wetter reagieren. Und bring einen wetterflexiblen Geist mit: Kapstadt-Tauchen ist kein All-inclusive-Urlaub, es ist ein Abenteuer mit echten Naturvariablen.
Häufige Fragen
Ist Tauchen in Kapstadt für Anfänger geeignet?+
Ja, wenn du Kaltwasserbedingungen und Grundfertigkeiten mitbringst. Für den Einstieg sind ruhige Tage in False Bay ideal — Spots wie Windmill Beach oder Castle Rock bieten geschützte Bedingungen. Am Atlantik ist es oft anspruchsvoller, besonders was Strömung und Wellengang betrifft.
Welcher Monat ist absolut zu meiden?+
Januar und Februar sind für False Bay wegen der Algenblüte problematisch, wenn gute Sicht dein Hauptziel ist. Für Atlantik-Spots gilt: im Hochsommer (Dez–Feb) ist der Südostwind oft stark und macht spontanes Tauchen schwierig.
Lohnt es sich, im Winter (Juni–Juli) nach Kapstadt zu fliegen?+
Wenn du den Sardine Run in KwaZulu-Natal einplanen willst, ist Winter ein guter Zeitpunkt. Für reines Kapstadt-Tauchen ist es machbar, aber plan mindestens 10 Tage ein, da wetterbedingte Ausfälle häufiger sind.
Wie früh vor Ort sollte ich buchen?+
Für die Hauptsaison (Oktober–Dezember, März–April) mindestens 4–8 Wochen im Voraus. Dezember ist mit Abstand am gefragtesten. Außerhalb der Stoßzeiten reicht oft eine Woche Vorlauf, aber ich würde immer vorher per E-Mail anfragen.