Im Dezember startet der Atlantik-Sommer in Kapstadt: Oudekraal, Duiker Point, BOS 400 bei 12–14°C und bis zu 18m Sicht. So planst du deinen Tauchurlaub.
Tauchen Kapstadt Dezember: Atlantik-Sommer beginnt
Tauchen in Kapstadt im Dezember heißt vor allem eins: Die Atlantikseite wird endlich wieder planbar. Das war nicht immer so. Die Wassertemperatur liegt bei 12–14 °C, die Sicht erreicht an guten Tagen bis zu 18 Meter. Der Südost-Passat, der im Frühling noch jeden zweiten Tauchtag killt, verliert spürbar an Kraft. Für mich als Instructor ist der Dezember der erste Monat im Jahr, in dem ich Gästen die Atlantikseite wieder mit gutem Gewissen fest im Tauchplan einbaue, statt sie nur als Option anzubieten, „falls der Wind mitspielt".
Warum der Dezember die Atlantik-Saison in Kapstadt einläutet
Der Grund ist der Cape Doctor, der berüchtigte Südost-Passat, der von November bis Februar über die Kaphalbinsel fegt. Im November ist er noch launisch. An einem Tag bläst er mit 35 Knoten, am nächsten ist es spiegelglatt, wie ich es in meinem Guide zum Tauchen im Atlantik im November beschrieben habe. Im Dezember stabilisiert sich das Muster: Der Wind legt sich meist in den frühen Morgenstunden, oft bleibt ein ganzes Fenster von drei bis vier Tagen am Stück ruhig genug für Boots- und Shore-Dives. Genau das macht den Dezember für mich zum eigentlichen Startschuss der Atlantik-Hochsaison, nicht schon der November. Wer seinen Tauchurlaub fest plant statt spontan auf Wetterfenster zu hoffen, hat im Dezember die besseren Karten.
Dazu kommt, dass das Planktonaufkommen im Spätfrühling abnimmt. Im Oktober und November war das Wasser oft grünlich-trüb von der Algenblüte. Im Dezember klart es sichtbar auf. Kombiniert mit der wärmeren Wassertemperatur ist das die Zeit, in der Einsteiger und Gelegenheitstaucher den Atlantik ohne Horrorgeschichten über Nullsicht erleben.
Wassertemperatur und Sicht im Dezember: Atlantik vs. False Bay
Im Dezember liegt die Atlantikseite bei 12–14 °C Wassertemperatur mit einer Sicht von 8–18 Metern. False Bay ist im selben Monat deutlich wärmer: 17–20 °C, bei etwas geringerer, aber immer noch guter Sicht von 8–15 Metern. Das ist der typische Kapstadt-Gegensatz. Zwei Küsten, 40 Autominuten voneinander entfernt, zwei komplett unterschiedliche Temperaturprofile.
Der Unterschied erklärt sich durch die Strömungen: Der kalte Benguela-Strom zieht an der Atlantikseite nach Norden und hält das Wasser auch im Hochsommer kühl, während False Bay vom wärmeren Agulhas-Einfluss profitiert. Für die Tauchplanung heißt das: Wer im Dezember nur einen Anzug mitbringt, sollte sich für die Atlantikseite entscheiden. Auch in False Bay bleibe ich bei 7mm Neopren und Haube als Standard — die höhere Temperatur macht lange Tauchtage angenehmer, ändert aber nichts an der Grundausstattung, die ich Gästen empfehle. Der Atlantik dagegen verzeiht ohnehin keine Kompromisse beim Kälteschutz: 7mm plus Haube sind dort keine Option, sondern Pflicht.
Die Atlantik-Spots, die im Dezember aufmachen
Drei Spots machen im Dezember zuverlässig auf: Oudekraal für den einfachen Kelpwald-Einstieg, Duiker Point / Duiker Island für die Begegnung mit der Pelzrobben-Kolonie und das BOS 400 Wrack für Taucher, die Struktur und Fischschwärme suchen. Alle drei profitieren vom selben Effekt aus stabileren Wetterfenstern und klarerem Wasser, unterscheiden sich aber deutlich in Tiefe, Schwierigkeitsgrad und Tierwelt.
Oudekraal: Kelp-Wald-Shore-Dive für Einsteiger
Oudekraal ist mein Standard-Einstiegsspot für die Atlantik-Saison, die offiziell von November bis März läuft. Der Shore-Dive führt durch dichten Kelpwald in 5–15 Metern Tiefe, der Swell bleibt saisontypisch meist unter einem Meter, die Sicht liegt bei 8–15 Metern. Du triffst hier auf Pajama Sharks (Pyjama-Katzenhaie), Cape Catsharks, Oktopusse und Langusten. Sie verstecken sich zwischen den Kelpstielen. Für Einsteiger, die zum ersten Mal Kaltwasser tauchen, ist das der ideale erste Spot: überschaubare Tiefe, kurze Einstiegswege, kein nennenswerter Strom. Details zur Logistik und Einstiegspunkten habe ich in meinem separaten Guide zu Oudekraal zusammengefasst.
Duiker Point / Duiker Island: Cape-Fur-Seal-Kolonie
Duiker Island ist eine reine Kap-Pelzrobben-Kolonie. Hier tummeln sich mehrere tausend Cape Fur Seals, die im Dezember besonders verspielt sind, weil viele Jungtiere geboren wurden. Was hier wichtig ist: Es gibt keine Pinguine an diesem Spot. Brillenpinguine (African Penguins) leben in Kapstadt ausschließlich in False Bay, konkret bei Boulders Beach und Simon's Town, sowie weiter östlich bei Stony Point und Betty's Bay. Ich korrigiere diese Verwechslung bei Gästen ständig: Wer Pinguine unter Wasser sehen will, muss nach False Bay, nicht an die Atlantikseite. Was man bei Duiker Point stattdessen bekommt, ist ein Robben-Schnorchel- oder Tauchgang mit Tieren, die einen neugierig umkreisen, an den Flossen zupfen und sich für Kamerablitze interessieren wie kein anderes Tier in diesen Gewässern.
BOS 400 Wrack: Halbwrack in 5–18 Metern
Der dritte Spot, der im Dezember wieder zuverlässig tauchbar wird, ist das BOS 400, ein Halbwrack in 5–18 Metern Tiefe. Bei Niedrigwasser ragen Teile heraus. Das Wrack ist mittlerweile dicht mit Kelp und Algen bewachsen und beherbergt Katzenhaie, Oktopusse, Langusten und dichte Schwärme von Glasfischen, gelegentlich schwimmen auch Cape Fur Seals vorbei. Pinguine gibt es auch hier nicht (dieselbe Klarstellung wie bei Duiker Island). Wie man den Einstieg findet, welche Stromfenster man beachten sollte und was die Tauchbasen vor Ort verlangen, steht ausführlich in meinem Spot-Guide zum BOS 400.
Ausrüstung für den Atlantik-Sommer: 7mm Neopren + 5mm Haube + Handschuhe
Auch im Hochsommer bleibt der Atlantik bei 12–14 °C ein Kaltwasser-Revier. Daran ändert die Jahreszeit nichts. Ich tauche hier ganzjährig im Cressi Castoro 7mm Premium Stretch Neoprenanzug, weil 7mm bei dieser Temperatur die Grenze ist, ab der ein Taucher auch bei zwei Tauchgängen am Stück nicht auskühlt. Ein 5mm-Anzug mag bei einem einzelnen kurzen Tauchgang noch gehen, bei einem vollen Tauchtag mit Oberflächenpause zwischen zwei Dives wird es damit ungemütlich kalt.
Die Haube ist der am häufigsten unterschätzte Teil der Ausrüstung. Standard am Atlantik ist eine 5mm-Haube, nicht die dünneren 3mm-Varianten aus dem Warmwasser-Regal. Der Kopf verliert unter Wasser überproportional viel Wärme — Gäste mit dünnerer Haube frieren deshalb oft schon nach 25 Minuten, obwohl der Rest der Ausrüstung passt. Ich empfehle die Cressi Draget Plus Neoprenhaube 5mm. Dazu passende Waterproof G2 3-Finger-Handschuhe in 7mm runden das Kälteschutz-Set ab. Dünnere Handschuhe verlieren bei diesen Temperaturen schnell an Grip, was beim Festhalten am Kelp oder an Leinen spürbar wird.
Ein typischer Dezember-Tauchtag: zwei Tauchgänge richtig planen
Ein typischer Dezember-Tauchtag an der Atlantikseite sieht bei mir so aus: Der erste Tauchgang startet früh, meist zwischen 8 und 9 Uhr, solange der Wind noch schläft. Nach Oudekraal oder dem BOS 400 folgt eine Oberflächenpause von mindestens einer Stunde, bevor der zweite Tauchgang ansteht. Bei 12–14 °C braucht der Körper diese Zeit, um sich wieder aufzuwärmen, selbst im 7mm-Anzug mit Haube. Tauchbasen mit Sitz in Hout Bay kombinieren deshalb gern einen Vormittags-Dive an der Atlantikseite mit einem Nachmittags-Törn nach Duiker Island, weil die Bootsfahrt selbst schon als Pause zählt.
Wer zusätzlich noch nach False Bay will, etwa zu den Pinguinen bei Simon's Town, sollte das auf einen separaten Tag legen. Die Fahrzeit über den Kap-Pass beträgt je nach Verkehr 45 bis 60 Minuten, und zwei Tauchgänge auf zwei verschiedenen Küsten lassen sich an einem einzigen Tag mit den üblichen Boots-Zeitfenstern kaum sauber unterbringen. Mein Rat an Gäste mit nur wenigen Tagen: lieber einen Tag ganz dem Atlantik widmen und einen zweiten komplett False Bay, statt beides an einem Vormittag durchzuhetzen.
Jetzt buchen: warum der Dezember-Vorlauf sechs Monate beträgt
Der Dezember fällt in Kapstadt mit den südafrikanischen Sommerferien und dem internationalen Weihnachtstourismus zusammen. Die Stadt ist in dieser Zeit so ausgebucht wie sonst nie im Jahr. Deshalb solltest du Flüge nach Kapstadt, Unterkünfte in Hout Bay oder Camps Bay und Plätze bei den etablierten Tauchoperatoren mindestens sechs Monate im Voraus buchen. Das ist keine Marketingfloskel. Es ist meine eigene Erfahrung aus über zehn Jahren vor Ort: Wer im Oktober noch für Dezember-Tauchgänge anfragt, bekommt bei den guten Operatoren oft nur noch Restplätze auf überfüllten Booten oder muss auf weniger erfahrene Guides ausweichen. Flugpreise nach Kapstadt verdoppeln sich in der Weihnachtswoche gegenüber der Nebensaison nicht selten, und Ferienwohnungen mit guter Lage sind ab November komplett durch.
Mein Rat: Leg dich auf ein Zeitfenster zwischen dem 1. und dem 20. Dezember fest (danach wird es mit der Feiertagslogistik unübersichtlich) und buche Flug, Unterkunft und mindestens die ersten zwei Tauchtage als Paket. Spontane Tagesbuchungen funktionieren im Dezember fast nie.
Häufige Fragen zum Tauchen in Kapstadt im Dezember
Häufige Fragen
Sieht man am BOS 400 oder bei Duiker Island Pinguine?+
Nein. Sowohl das BOS 400 Wrack als auch Duiker Island/Duiker Point sind Cape-Fur-Seal-Spots ohne Pinguine. Brillenpinguine gibt es in Kapstadt nur in False Bay, konkret bei Boulders Beach, Simon's Town sowie weiter östlich bei Stony Point und Betty's Bay. An der Atlantikseite gibt es keine.
Wie kalt ist der Atlantik in Kapstadt im Dezember?+
Der Atlantik liegt im Dezember bei 12–14 °C Wassertemperatur, bei einer Sicht von 8 bis 18 Metern. Zum Vergleich: False Bay ist im selben Monat mit 17–20 °C deutlich wärmer, bei leicht geringerer Sicht von 8–15 Metern.
Wie weit im Voraus muss ich für einen Dezember-Tauchurlaub in Kapstadt buchen?+
Mindestens sechs Monate im Voraus, also idealerweise schon im Juni. Der Dezember fällt mit den südafrikanischen Sommerferien und dem Weihnachtstourismus zusammen, Flüge, Unterkünfte und Plätze bei guten Tauchoperatoren sind dann knapp und teuer.
Was ziehe ich im Dezember zum Tauchen an der Atlantikseite an?+
Einen 7mm-Neoprenanzug, eine 5mm-Haube und 7mm-Handschuhe sind Standard, auch im Hochsommer. Bei 12–14 °C Wassertemperatur reicht dünneres Material nicht für einen vollen Tauchtag mit mehreren Tauchgängen.
Lohnt sich im Dezember eher die Atlantikseite oder False Bay?+
Beides hat seine Stärken: Die Atlantikseite bietet im Dezember erstmals im Jahr stabile Wetterfenster mit Spots wie Oudekraal, Duiker Point und BOS 400. False Bay punktet mit wärmerem Wasser (17–20 °C) und ist die einzige Option, wenn du Pinguine sehen willst. Wer Zeit hat, kombiniert beide Seiten im selben Urlaub.




