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Wracktauchen in Cape Town: Top Spots für Fortgeschrittene
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Wracks 18. Juni 2025 Lena 6 Min.

Wracktauchen in Cape Town: Top Spots für Fortgeschrittene

Von historischen Wracks bis Strömungstauchgängen: Diese Wracks rund um Kapstadt sind besonders spannend.

Kapstadts Küsten — ein Graveyard der Seefahrt

Das Kap der Guten Hoffnung hat einen anderen, älteren Namen: das Kap der Stürme. Und dieser Name erklärt alles. Jahrhundertelang waren die stürmischen Gewässer rund um die südafrikanische Halbinsel eines der gefährlichsten Seegebiete der Welt für die Handels- und Kriegsmarine. Das Ergebnis liegt noch heute auf dem Meeresgrund: Hunderte von Wracks unterschiedlicher Epochen und Größen. Als Taucher hast du Zugang zu einigen der interessantesten davon.

Ich habe über die Jahre die wichtigsten Kapstadt-Wracks mehrfach getaucht und kenne ihre Eigenheiten genau. Hier sind meine drei Favoriten — mit allem, was du vor deinem ersten Besuch wissen musst.

SAS Pietermaritzburg — Der zugänglichste Wrack-Tauchgang

Das ist das Wrack, das ich jedem empfehle, der zum ersten Mal Wracktauchen in Südafrika macht. Die SAS Pietermaritzburg war ein ehemaliges Kriegsschiff der südafrikanischen Marine, ein W-class destroyer, ursprünglich als HMS Pelican gebaut. Mit 91 Metern Länge war sie ein beachtliches Schiff, und im Jahr 2000 wurde sie absichtlich als künstliches Riff in der Smitswinkel Bay, südlich von Simon's Town, auf den Grund der False Bay gelegt.

Tiefe und Zugänglichkeit

Das Wrack liegt in 18 bis 30 Metern Tiefe — die Aufbauten beginnen bei etwa 18 Metern, der Kiel berührt den Boden bei 28–30 Metern. Das ist perfektes Open-Water-Territorium. Du brauchst kein Advanced-Brevet, um die oberen Bereiche des Wracks zu erkunden. Für das vollständige Erkundungsprofil bis zum Kiel empfehle ich ein Advanced Open Water oder mindestens 30 Logbuch-Tauchgänge.

Wie kommt man hin?

Smitswinkel Bay ist nur per Boot erreichbar — es gibt keinen Strandeinstieg, und die Bucht hat keine öffentliche Straßenanbindung. Die gängigste Option ist ein Bootsausflug von Simon's Town aus. Ocean Divers International, direkt im Simon's Town Hafen gelegen (neben dem Jubilee Square, du kannst das blau-weiße Boot kaum übersehen), fährt regelmäßig zur Pietermaritzburg. Ein Zweier-Tauchgang dort kostet ca. 700–900 ZAR (35–45 Euro) inklusive Tanks. Ausrüstung kann gemietet werden.

Was du unter Wasser siehst

25 Jahre unter Wasser haben das Schiff in ein vollständiges Riff verwandelt. Der Rumpf ist überzogen mit Weichkorallen (Alcyonaria), Schwämmen und Seeanemonen. Rund um den Wrack kreisen Scharen von Klipfisch und Streifenbarsch. Im Inneren des Rumpfs (für erfahrene Taucher, die Wrack-Tauchen beherrschen) gibt es Kabinen-Strukturen zu erkunden. Außen auf dem Deck: Kanonen-Sockel, Antennen-Reste, das Brückenhaus.

Besonders im Frühjahr und Herbst sind Cowsharks rund um die Pietermaritzburg zu sehen — das Wrack liegt in ihrem Revier in der False Bay. An guten Tagen habe ich an der Pietermaritzburg Cowshark-Begegnungen UND einen faszinierenden Wrack-Tauchgang in einem Tauchgang kombiniert.

Sicherheit an der Pietermaritzburg

Das Wrack liegt in einer geschützten Bucht, und die Strömungen sind moderat. An windigen Tagen kann die Sicht durch aufgewirbeltes Sediment leiden. Immer mit Operator tauchen — solo ist hier weder sinnvoll noch empfehlenswert. Wrack-Penetration (ins Innere gehen) nur für zertifizierte Wrack-Taucher mit entsprechender Ausrüstung (Sicherheitsleine, mindestens zwei Lampen).

Clan Stuart — Geschichte im flachen Wasser

Wer historische Wracks liebt, wird die Clan Stuart lieben. Dieser Dampfer, ein luxuriöser Frachter, lief im September 1914 während eines Sturms auf die Felsen bei Camps Bay. Das Schiff war auf dem Weg von Schottland nach Australien und der australischen Front des Ersten Weltkriegs — eine Geschichte, die unter dem Riff liegt.

Tiefe und Zugänglichkeit

Das ist der zugänglichste Wrack-Tauchgang in Kapstadt: Maximale Tiefe ca. 12 Meter, geeignet für alle Level ab Open Water. Das Wrack liegt zwischen Camps Bay und Clifton, direkt an der Felsküste. Es ist fragmentiert — nach über hundert Jahren auf den Felsen sind die großen Strukturen in kleinere Teile zerbrochen — aber die Ankerwinde, Teile des Rumpfes und diverse Gerätschaften sind noch gut erkennbar.

Wie kommt man hin?

Strand-Einstieg von den Felsen bei Camps Bay ist möglich, aber erfordert lokale Kenntnis der Einstiegspunkte und ruhige See. Alternativ Bootsausflug. Das Wrack liegt so nah an der Oberfläche, dass es bei niedrigem Wasserstand teilweise sichtbar ist.

Was du siehst

Teile des Kessels, Dampfmaschinen-Komponenten, der Anker, Rumpfsegmente. Das Wrack ist vollständig von Algen und Meereslebewesen überwachsen und hat sich in ein natürliches Riff verwandelt. Die Lage zwischen den Felsen macht es besonders interessant — du tauchst in einer dramatischen Felslandschaft, in der das Wrack als Teil des Untergrundes wirkt. Klipfisch, Pyjama-Haie und Oktopusse sind häufige Bewohner.

Oakburn Wrack — Für Entdecker

Das Oakburn liegt in False Bay und ist eines der am wenigsten bekannten Kapstadt-Wracks. Es ist kein massives Schiff wie die Pietermaritzburg, aber seine Architektur ist interessant: Das Wrack liegt in ca. 20–24 Metern Tiefe, ist gut erhalten, und die umgebenden Riff-Strukturen machen es zu einem lohnenden Tagesausflug für Taucher, die abseits der Touristenpfade etwas suchen.

Für das Oakburn ist ein lokaler Operator mit genauer Koordinaten-Kenntnis Pflicht — es gibt keine Bojen oder Marker. Frag bei False Bay Scuba (Fish Hoek) oder Ocean Divers International nach, ob sie diesen Spot im Programm haben.

Allgemeine Sicherheitsregeln für Kapstadt-Wracks

Unabhängig vom Wrack gelten immer diese Regeln:

  • Niemals alleine: Immer mit mindestens einem Partner, immer mit Briefing des lokalen Operators.
  • Zwei Lampen minimum: Primäre Lampe (mind. 500 Lumen) und Backup. Im Wrack-Inneren ist es stockdunkel.
  • Sicherheitsleine bei Penetration: Für das Innere des Wracks immer eine Sicherheitsleine mitführen und am Einstiegspunkt befestigen.
  • Kein Aufwirbeln: Langsame, ruhige Finnen-Bewegungen. Sediment-Aufwirbelung reduziert die Sicht auf null innerhalb von Sekunden.
  • Plan B: Was ist dein Ausweichplan, wenn der Haupteinstieg blockiert ist? Diese Frage immer vor dem Eintauchen klären.

Häufige Fragen

Brauche ich ein Wrack-Brevet für die Pietermaritzburg?+

Für die äußeren Bereiche reicht Open Water. Für das Innere des Wracks (Penetration) wird ein PADI Wreck Diver Specialty oder equivalent empfohlen. Lokale Operator fragen nach deiner Erfahrung und stufen dich entsprechend ein.

Gibt es Geisternetze oder andere Gefahren in den Kapstadt-Wracks?+

In tieferen Wracks können Fischernetze und Leinen ein Problem sein. Immer ein Messer oder Linienschneider am BCD. An der Pietermaritzburg ist das weniger ein Thema als bei anderen Wracks, da die Bucht für Fischerei nicht attraktiv ist.

Wann ist die beste Sicht an den Wracks?+

An der Pietermaritzburg in Smitswinkel Bay ist die Sicht von September bis Mai oft ausgezeichnet (10–18 Meter). An der Clan Stuart (Atlantik-Seite) hängt es stark von den Windverhältnissen ab — nach ruhigen Tagen oft sehr gut, nach Sturm manchmal nur wenige Meter.

Kann ich die Wracks mit einem Standard-Operator buchen oder brauche ich Spezialisten?+

Für die Pietermaritzburg reicht Ocean Divers International in Simon's Town vollständig. Für die Clan Stuart fragen viele Atlantik-seitige Operator in Hout Bay. Für das Oakburn brauchst du jemanden mit lokaler Kenntnis — False Bay Scuba oder Ocean Divers.

Über die Autorin

🤿

Lena

PADI Instructor · Cape Town

Ich zeige dir, wie du in Kapstadt sicher tauchst und die richtigen Spots für dein Level auswählst.

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