A-Frame und Windmill Beach tauchen: Zwei ruhige Shore-Dives bei Simon's Town mit Pyjama-Haien, Kelp-Wäldern und Oktopussen. Jetzt Tipps für August lesen.
A-Frame und Windmill Beach tauchen — zwei unterschätzte Shore-Dives bei Simon's Town
A-Frame Windmill Beach tauchen bedeutet: False Bay im August, Sicht bis 12 Meter, kaum andere Taucher und Granitblöcke voller Pyjama-Haie, Oktopusse und Nacktschnecken. Beide Spots liegen wenige Kilometer nördlich von Simon's Town, direkt an der Küstenstraße, und sind per Auto in weniger als zehn Minuten von der Tauchbasis erreichbar. Wer Long Beach kennt und mehr Ruhe sucht, findet hier zwei der besseren Geheimtipps der False Bay.
Was diese beiden Spots besonders macht
Ich tauche seit Jahren in der False Bay und werde regelmäßig gefragt, warum ich A-Frame und Windmill Beach nicht stärker empfehle. Die ehrliche Antwort: Sie sind nicht für jeden. Felsiger Einstieg über Granitblöcke, bei A-Frame teils Surge je nach Wellengang — wer unbedingt einen sandigen Badestrandeinstieg will, ist dort falsch. Wer aber ein Open-Water-Zertifikat hat, grundlegende Einstiegstechnik beherrscht und bereit ist, auf Tierwelt statt Komfort zu setzen, bekommt an beiden Spots mehr für sein Geld als an den meisten besuchten Spots der Region.
August ist dabei die beste Zeit. Die Sichtweite in der False Bay liegt im Winter — also von Mai bis September — regelmäßig zwischen 8 und 15 Metern, weit besser als der trübe Herbst. Das Wasser ist kalt: 12 bis 16 Grad Celsius. Wer das unterschätzt, friert. Wer vorbereitet ist, erlebt eine Kelp-Landschaft, die im Winter am dichtesten und schönsten ist.
A-Frame Beach: Der wellenbewegliche Spot mit Charakter
Zufahrt und Einstieg
A-Frame Beach liegt an der R44, der Küstenstraße zwischen Simon's Town und Fish Hoek. Es gibt einen kleinen Parkplatz direkt neben dem Strand — kein Schild, kein Hinweis, nur der Felsen und die Brandung. Der Einstieg erfolgt über Granitblöcke, die je nach Tide mehr oder weniger vom Wasser bedeckt sind. Bei Flut ist es einfacher; bei Niedrigwasser ist Vorsicht geboten, weil die Blöcke rutschig sind. Brandungsschuhe oder Neoprenstiefel sind Pflicht — ich verwende eine 3mm Neoprenhaube kombiniert mit stabilen Neoprensocken, weil der Einstieg bei Surge auch die Füße beansprucht.
Surge ist bei A-Frame das Thema, das ich mit unerfahrenen Tauchern immer bespreche, bevor wir ins Wasser gehen. Bei Ostwind oder nach einem Sturm kann die Dünung spürbar sein — nicht gefährlich für geübte Taucher, aber unangenehm für alle, die noch keine Erfahrung mit Strömung und Surge haben. Die richtige Einstiegstechnik bei Surge und Brandung ist hier keine Theorie, sondern Praxis.
Was dich unter Wasser erwartet
Unmittelbar nach dem Einstieg geht es über eine kurze Sandzone direkt in die ersten Kelp-Stämme. Der Kelp-Wald bei A-Frame ist nicht so dicht wie am Boulders-Riff, aber er reicht aus, um eine eigene Atmosphäre zu schaffen. Die Sonne fällt im August schon anders durch die Wedel als im Sommer — gedämpfter, blauer, mit mehr Kontrast.
Die maximale Tiefe liegt bei rund 8 bis 10 Metern, abhängig von der Tide. Das macht A-Frame zu einem idealen Spot für Taucher, die ihren Auftrieb verfeinern wollen — auf flachen Riffen verzeiht die Tiefe keine groben Fehler. Wer tiefer sucht, muss einige hundert Meter weiter nördlich — dort fällt der Grund auf gut 14 Meter.
Tierwelt: Pyjama-Haie (Poroderma africanum) sind der Hauptgrund, warum ich diesen Spot immer wieder besuche. Die buntgemusterten Katzenhaie liegen tagsüber ruhig unter Felsüberhängen oder im Kelp versteckt — geduldig und absolut harmlos. Ich habe an einem einzigen Tauchgang bis zu sieben Exemplare gezählt, alle innerhalb weniger Meter. Dazu kommen Steinbutt, Klipfische, Stachelrochen im Sand und Nudibranchs in Farben, die keiner Kamera gerecht werden.
Windmill Beach: Der geschütztere der beiden Spots
Lage und Einstieg
Windmill Beach ist knapp einen Kilometer von A-Frame entfernt, ebenfalls direkt an der R44. Der Name kommt von einer alten Windmühle, die heute nicht mehr steht — aber der Strand ist leicht zu finden, weil er einer der wenigen mit einem kleinen Picknickbereich ist. Der Einstieg ist hier etwas entspannter als bei A-Frame: weniger exponiert, weniger Surge bei normalen Bedingungen, aber immer noch über Granitblöcke. Flache Sohlen und Neoprenhandschuhe für die Hände empfehle ich trotzdem.
Wer zum ersten Mal an dieser Küste taucht und einen Vergleichspunkt braucht: Windmill Beach liegt von der Einstiegsschwierigkeit her zwischen Long Beach und A-Frame. Es ist kein Anfängerstrand, aber auch nicht so anspruchsvoll wie Seal Island bei Dünung. Mehr zur Einordnung der Spots findest du in meinem Überblick zu den besten Shore-Dive-Spots in Kapstadt.
Was dich unter Wasser erwartet
Windmill Beach hat eine etwas andere Unterwassertopografie als A-Frame. Die Granitblöcke setzen sich unter Wasser fort und bilden Höhlen, Spalten und Überhänge — perfekte Unterschlüpfe für Oktopusse. Ich habe an keinem anderen Spot in der False Bay so konsistent Paarungsverhalten bei Oktopussen beobachtet wie hier, besonders im August und September. Es ist faszinierend und ein bisschen surreal: ein Tier, das Farbe und Textur in Echtzeit wechselt, das zwischen zwei Felsen verschwindet und fünf Meter weiter wieder auftaucht.
Tiefe: maximal 12 Meter im äußeren Bereich, mit einem schönen Übergang von Granitblock zu Sand. Auf dem Sand liegen regelmäßig Stachelrochen (Dasyatis brevicaudata) — oft halb eingegraben, oft fast unsichtbar. Wer mit Flossen nicht aufpasst, kann sie erschrecken. Wer aufpasst, beobachtet sie aus einem Meter Abstand, ohne dass sie sich bewegen.
Nudibranchs sind an Windmill Beach reichlich: Hypselodoris capensis in Lila-Weiß, Janolus capensis in Orange. Ich empfehle jedem Makrofotografen, hier im August mindestens 45 Minuten zu planen. Man braucht nicht tief zu tauchen, um aufzuhören zu zählen.
False Bay im August: Warum gerade jetzt?
Die False Bay funktioniert im Winter anders als die Atlantikseite. Während die Atlantikseite von November bis März die beste Sicht hat (kaltes Upwelling, klares Wasser), hat die False Bay im Gegenteil ihren Peak von April bis September. Im August liegen die Bedingungen oft am besten: Die Planktonblüten des Herbstes sind abgeklungen, die Winterstürme sind meist moderat, und die Sicht stabilisiert sich auf 8 bis 15 Meter — manchmal mehr.
Die Wassertemperatur im August beträgt in der False Bay etwa 12 bis 16 Grad. Das klingt kalt — und das ist es auch. Wer in 12 Grad Wasser mit einem 5mm-Neoprenanzug taucht, friert nach 30 Minuten. Für diese Gewässer ist ein 7mm Neoprenanzug keine Luxus-Option — er ist Voraussetzung für einen Tauchgang, der länger als 40 Minuten dauern soll. Ich trage im August zusätzlich eine 3mm-Haube, Handschuhe und Neoprensocken. Wer das weglässt, taucht kürzer, als er möchte.
Beide Spots im Vergleich mit Long Beach
Der bekannteste Shore-Dive in der Gegend ist Long Beach, direkt am Boulders Beach Parkplatz. Ich schreibe ausführlicher darüber in meinem Post zu Long Beach Simon's Town. Der entscheidende Unterschied: Long Beach hat mehr Infrastruktur (Parkplatz, Sanitäranlagen, flacher Sandeinstieg) und damit auch mehr Taucher. A-Frame und Windmill Beach haben weniger Komfort und weniger Publikum. Für Taucher, die Tierwelt gegenüber Bequemlichkeit priorisieren, sind die kleineren Spots oft die bessere Wahl.
Es gibt aber eine Situation, in der ich Long Beach vorziehe: bei Anfängern mit weniger als zehn Tauchgängen. Der Felseinstieg bei A-Frame und Windmill Beach verlangt Körperbewusstsein und Erfahrung mit Surge. Wer das noch nicht hat, lernt es besser zunächst im geschützteren Long Beach — oder direkt mit einer Tauchbasis aus Simon's Town, die den Einstieg begleitet.
Was du für A-Frame und Windmill Beach brauchst
Shore-Diving in der False Bay ist kein Strandurlaub. Das Equipment macht den Unterschied zwischen einem guten und einem abgebrochenen Tauchgang:
- 7mm Neoprenanzug — kein 5mm, keine Kompromisse im August. Der Cressi 7mm Neoprenanzug ist mein Standardanzug für alle False-Bay-Einstiege von April bis September.
- Neoprensocken — für den Felseinstieg unverzichtbar. Cressi Neopren-Socken 3mm reichen für die meisten Verhältnisse bei diesen Spots aus.
- SMB (Signalboje) — Pflicht bei jedem Shore-Dive ohne Begleitboot. Die Küstenstraße ist belebt, Boote fahren nah — eine aufblasbare Boje macht dich sichtbar. Ich habe die Namvo SMB Signalboje immer dabei.
- Taschenlampe — für Höhlen und Überhänge, besonders bei Windmill Beach. Die Wurkkos DL10R ist kompakt genug für den BCD und hell genug für jeden Überhang.
Praktische Infos für die Anreise
Parkplatz: Beide Spots haben kleine informelle Parkplätze direkt an der R44. Nichts Wertvolles im Auto lassen — das gilt für alle Parkplätze in der Region.
Beste Tageszeit: Morgens bis 10 Uhr sind die Bedingungen meist am ruhigsten. Nachmittags kann der Südostwind auffrischen und die Wasseroberfläche stören.
Tide: Beide Spots tauchen sich besser bei Flut oder einlaufendem Wasser. Der Einstieg ist einfacher, und die Sicht ist häufig besser, weil weniger Sand aufgewirbelt wird.
Parken: Keine Gebühren, aber keine Aufsicht. Wertsachen mitnehmen oder im Kofferraum sichern.
Zertifikat: Open Water Diver reicht für beide Spots unter normalen Bedingungen. Bei starkem Surge empfehle ich Adventure oder höher — nicht wegen der Tiefe, sondern wegen der Einstiegssituation.
Häufige Fragen
Für welches Zertifikat eignen sich A-Frame und Windmill Beach?+
Beide Spots sind mit einem Open Water Diver Zertifikat machbar — die maximale Tiefe liegt bei 8 bis 12 Metern. Bei Surge oder nach Sturm empfehle ich Tauchern mit weniger als 20 Tauchgängen eher einen ruhigeren Tag abzuwarten oder zuerst Long Beach zu testen. Der Felseinstieg über Granitblöcke verlangt etwas Erfahrung, die reine Tiefe ist kein Problem.
Wann ist die beste Zeit für Shore-Dives an der False Bay bei Simon's Town?+
April bis September ist die beste Saison für Shore-Dives in der False Bay — also genau anders als an der Atlantikseite. Im August liegen Sichtweiten von 8 bis 15 Metern drin. Die Wassertemperatur beträgt 12 bis 16 Grad Celsius, ein 7mm Neoprenanzug ist Pflicht. Morgens bis 10 Uhr sind die Bedingungen meist am ruhigsten.
Welche Tiere sieht man bei A-Frame und Windmill Beach?+
Die typischen Tiere sind Pyjama-Haie (Striped Catsharks), Oktopusse, Stachelrochen und zahlreiche Nacktschnecken (Nudibranchs). Im Kelp-Wald kommen Klipfische und Steinbutt dazu. Pyjama-Haie sind an beiden Spots sehr konsistent zu sehen — ich habe an einem Tauchgang bis zu sieben Exemplare gezählt. Windmill Beach ist besonders bekannt für Oktopusse und Nudibranch-Vielfalt.
Wie komme ich zu A-Frame und Windmill Beach?+
Beide Spots liegen an der R44 zwischen Simon's Town und Fish Hoek, wenige Kilometer nördlich von Simon's Town. Mit dem Auto sind es von der Simon's Town Hauptstraße etwa fünf bis zehn Minuten. Es gibt kleine informelle Parkplätze direkt an der Küstenstraße. Öffentliche Verkehrsmittel sind möglich (Simons Town Line + Taxi), aber mit Tauchausrüstung unpraktisch.
Brauche ich einen Divemaster für Shore-Dives bei Simon's Town?+
Einen verpflichtenden Divemaster gibt es für Shore-Dives in Südafrika nicht — aber für die erste Ortskenntnis ist es sinnvoll, mindestens einmal mit jemandem mitzutauchen, der die Einstiege kennt. Die Tauchbasen in Simon's Town bieten geführte Shore-Dives an beiden Spots an. Wer allein kommt: immer mit Buddy tauchen, SMB mitführen, Tide-Tabellen prüfen.




