Wann taucht man mit Siebenkiemer-Haien in False Bay? Die jährliche Cowshark-Wanderung erklärt: Ankunft März, Peak Mai–August, Abzug Oktober.
Wann kommen Cowsharks in die False Bay? Die kurze Antwort
Die Breitnasen-Siebenkiemer (Notorynchus cepedianus) wandern jedes Jahr zwischen März und April in die False Bay ein. Ihr Aufenthalt dauert bis September, manchmal Oktober. Das Maximum liegt zwischen Mai und August — dem südafrikanischen Herbst und Winter, wenn die Wassertemperatur in der Bucht auf 14 bis 17°C fällt und das Upwelling des Benguela-Stroms die Sicht auf 10 bis 15 Meter schiebt. Wer seinen Kapstadt-Tauchurlaub gezielt um Cowshark-Begegnungen plant, wählt also die scheinbar ungemütlichste Jahreszeit — und erlebt die beeindruckendsten Tauchgänge der Halbinsel.
Die jährliche Wanderung: Was wir wissen — und was nicht
Den Breitnasen-Siebenkiemer bezeichnet man in Kapstadt schlicht als Cowshark — kaum ein Tier ist so sehr ein Symbol der False Bay wie dieser massige, sieben Kiemenspalten tragende Urhai. Über seine genauen Wanderungsmuster wissen wir weniger, als es die vielen Tauchgänge mit ihm vermuten lassen. Wissenschaftliche Telemetrie-Studien der South African Institute for Aquatic Biodiversity und der UCT haben dokumentiert, was lokale Guides seit Jahrzehnten beobachten: Die Tiere verlassen die False Bay im Sommer (November bis Februar), verschwinden in tieferes oder küstenfreieres Wasser, und kehren im Herbst zurück.
Wohin sie gehen, ist nur teilweise bekannt. Einzelne getaggte Tiere wurden während des Sommers weiter südlich im Tiefwasser nachgewiesen, aber ein vollständiges Bild der Routen fehlt bislang. Was dokumentiert ist: Die False Bay dient dem Siebenkiemer wahrscheinlich als Aufzucht- und Paarungs-Habitat. Weibchen, die hier auftauchen, sind häufig trächtig oder zeigen frische Paarungsnarben — ein Hinweis darauf, dass die Bucht nicht nur ein Jagdrevier, sondern ein reproduktiv bedeutsames Ökosystem ist. Das macht jede Begegnung auch zu einem Fenster in einen Lebenszyklus, den wir erst ansatzweise verstehen.
Die Treiber der Wanderung: Temperatur, Beute, Instinkt
Warum kommen die Siebenkiemer im März? Drei Faktoren verstärken sich gegenseitig:
Wassertemperatur und Upwelling
Ab März kühlt die False Bay von ihren sommerlichen 19 bis 22°C deutlich ab. Das Benguela-Upwelling — kaltes, nährstoffreiches Tiefenwasser, das aus dem südlichen Atlantik an die Küste steigt — verstärkt sich im Herbst und Winter. Diese kalten Wassermassen, die an der Atlantikseite bereits im November mit 8 bis 12°C zuschlagen, treffen die False Bay mit etwas Verzögerung und moderierter Temperatur. Das Ergebnis: 14 bis 17°C, klares Wasser mit 10 bis 15 Metern Sicht, dichte Planktonblüten, die die gesamte Nahrungskette ankurbeln. Für den Siebenkiemer — ein Kaltblüter, der seinen Stoffwechsel nach der Wassertemperatur taktet — sind das ideale Jagdbedingungen.
Beutekonzentration
Das Upwelling bringt Nährstoffe, Nährstoffe bringen Plankton, Plankton bringt Fisch. In der False Bay bedeutet das Herbst und Winter: Die Küstengewässer füllen sich mit großen Schulen von Kap-Makrelen, Kabeljau, Klipfischen und Rochen. Der Siebenkiemer ist ein opportunistischer Generalist — er frisst, was er kriegen kann. Die Konzentration an Beute im küstennahen Bereich zieht ihn in die Flachwasserzonen, wo er für Taucher erreichbar wird. Ein Siebenkiemer, der in 15 Metern Tiefe an Miller's Point patrouilliert, ist nicht auf Tour — er ist beim Mittagessen.
Reproduktiver Zyklus
Die False Bay ist für Siebenkiemer wahrscheinlich mehr als ein Jagdrevier. Beobachtungen von Guides und Wissenschaftlern deuten auf Paarungs- und mögliche Aufzuchtfunktion hin. Großformatige Weibchen mit Bissnarben werden ab April häufig gesichtet — ein Zeichen frischer Paarungsaktivität. Ob die Bucht auch als Geburtsbereich genutzt wird, ist Gegenstand laufender Forschung. Was sicher ist: Die Konzentration besonders großer Weibchen im Winter ist kein Zufall. Diese Tiere haben etwas zu tun hier — und das gibt den Begegnungen eine Bedeutungsebene, die über das reine Sehen hinausgeht.
Der saisonale Kalender: Monat für Monat
Auf Basis meiner eigenen Beobachtungen und der Rückmeldungen der lokalen Operator-Community in Simon's Town zeichnet sich dieses Muster ab:
- März–April: Erste Individuen erscheinen. Eher in größeren Tiefen (20–25 m), Sichtungen noch unzuverlässig. Wassertemperatur fällt auf 16–18°C. Gut für Frühbucher und Taucher, die die Einsamkeit der Vorsaison schätzen.
- Mai–Juni: Die Hauptwelle kommt. Regelmäßige Sichtungen an Miller's Point, Blackrock und Castle Rocks. Gruppen von 3 bis 6 Exemplaren auf einem Tauchgang sind keine Seltenheit. Temperaturen bei 14–16°C. Sicht beginnt zu steigen.
- Juli–August: Peak. Beste Sicht des Jahres (10–15 m), höchste Cowshark-Dichte, aktivstes Verhalten. Temperaturen auf dem Jahrestief (13–15°C) — voller 7mm Neoprenanzug ist Pflicht, aber die Begegnungen entschädigen für alles. Wenn ich Tauchanfängern sage, dass es in Kapstadt kalt ist und sie trotzdem kommen sollen — das ist die Zeit.
- September: Die Saison läuft noch, aber die Dichte nimmt ab. Wassertemperatur steigt leicht. Gute Wochen und schlechte Wochen wechseln sich ab. Noch immer lohnenswert.
- Oktober: Einzelsichtungen, keine Garantie mehr. Die Wanderung in tieferes Wasser hat begonnen. Parallel startet auf der Atlantikseite die Sommersaison.
- November–Februar: Cowsharks in der False Bay selten oder nicht präsent. Die Bucht gehört in dieser Zeit Oktopussen, Robben und Pinguinen.
Die besten Spots: Blackrock und Miller's Point
Die Cowsharks der False Bay verteilen sich über das gesamte Riff-System südlich von Simon's Town, aber zwei Spots stechen hervor:
Blackrock: Der Geheimtipp am Riff-Rand
Blackrock liegt zwischen Miller's Point und Castle Rocks — eine Fels-Formation, die in der lokalen Taucher-Community bekannt ist, aber selten in Reiseführern auftaucht. Das Riff fällt hier auf 22 bis 28 Meter ab, mit einem charakteristischen überhängenden Granitblock in der Mitte, unter dem sich die Siebenkiemer regelmäßig sammeln. Ich habe an Blackrock Begegnungen mit bis zu acht Individuen gleichzeitig gehabt — das sind Erlebnisse, die ich in dieser Konzentration sonst nirgendwo in Kapstadt kenne. Der Spot ist nur per Boat-Entry erreichbar; lokale Guides wie Ocean Divers International kennen ihn gut.
Miller's Point: Zuverlässig und zugänglich
Für Shore-Diving und Taucher, die ohne Boot auskommen wollen, bleibt Miller's Point die beste Adresse. Shore-Entry von der Granittreppe, Parkplatz direkt am Wasser, max. 22 Meter Tiefe. Die Cowsharks patrouillieren die Abbruchkante des Riffs zwischen 12 und 20 Metern. Der ideale Zeitpunkt ist der Abendtauchgang ab 16:30 Uhr — dann wird das Tageslicht diffuser und die Tiere aktiver. Für die Crevices unter dem Riff empfehle ich eine starke Lampe: Die Wurkkos DL10R mit 4.500 Lumen leuchtet tief genug in Felsspalten hinein, um ruhende Siebenkiemer sichtbar zu machen, bevor sie auftauchen. Alle logistischen Details zum Spot findest du im Miller's Point und Castle Rocks Spot-Guide.
Was die Saison so besonders macht: Kaltwasser-Ökologie im Vollbetrieb
Die Cowshark-Saison ist kein Einzelereignis — sie ist der Ausdruck eines Ökosystems im Winter-Peak. Wenn die Siebenkiemer da sind, ist gleichzeitig das gesamte Tauchleben der False Bay auf dem Höhepunkt. Die Sicht ist am besten. Die Kelp-Wälder stehen in voller Pracht. Groppe-Schwärme, Pyjama-Haie, Sternrochen, Tintenfische, Oktopusse — alles ist präsent, alles aktiv. Und mittendrin die Cowsharks, ruhig und gravitätisch durch das Kelp gleitend, als würden sie den Winter-Zirkus inspizieren.
Ich habe in zwanzig Jahren als Guide in Kapstadt alle Jahreszeiten betaucht. Die Cowshark-Saison ist der Grund, warum ich die nassen, grauen Kap-Winter liebe. Wer einmal im Juli an Miller's Point war und drei Siebenkiemer gleichzeitig in fünf Meter Abstand gesehen hat, kommt zurück. Das ist so gut wie sicher.
Mehr zu Biologie, Verhalten und Fotografieren dieser Haie: mein ausführlicher Siebenkiemer-Guide mit Abend- und Nachttauch-Tipps für die Cold-Water-Saison.
Ausrüstung für die Cowshark-Saison
Kalte Cowshark-Saison bedeutet: Kompromisse bei der Ausrüstung kosten dich Komfort und Zeit im Wasser. Meine Empfehlungen für Juli–August in der False Bay:
- 7mm Neoprenanzug: Nicht verhandelbar. Mit 5mm bist du nach 40 Minuten raus aus dem Wasser, bevor das Ereignis vorbei ist. Der Cressi 7mm Ultrastretch schützt zuverlässig ohne die Beweglichkeit einzuschränken — ich nutze ihn selbst seit zwei Saisons ohne Probleme.
- Neoprenhaube: Die Cressi Resilient Hood 3mm verhindert den Kälteschmerz am Kopf, der ab 15°C nach 20 Minuten einsetzt und die Konzentration ruiniert. Pflicht für alle Taucher, die mehr als einen Tauchgang pro Tag planen.
- Starke Tauchlampe: Für Blackrock und die tiefen Bereiche von Miller's Point. Siebenkiemer ruhen in Felsspalten, die ohne Licht unsichtbar bleiben.
- Mindestbrevetierung: Advanced Open Water für Blackrock (bis 28 m), Open Water für Miller's Point Shore-Dive bis 18 m.
Häufige Fragen
Wann ist die beste Zeit, um Cowsharks in der False Bay zu sehen?+
Die beste Zeit ist Juli und August — Mitte des südafrikanischen Winters. Die Sicht ist auf dem Jahreshöhepunkt (10–15 m), die Siebenkiemer-Dichte am größten und das Verhalten am aktivsten. Wer etwas mehr Saisonchancen will, plant von Mai bis September.
Warum kommen Siebenkiemer-Haie im Winter in die False Bay?+
Das Benguela-Upwelling kühlt die Bucht ab und bringt nährstoffreiches Tiefenwasser an die Oberfläche — das lockt große Beutefisch-Schulen in die Küstenzone. Gleichzeitig nutzen die Tiere die Bucht wahrscheinlich für Paarung und als Aufzuchtgebiet. Im Sommer verteilen sie sich in tieferes Wasser.
Wie groß ist die Chance, wirklich einen Cowshark zu sehen?+
An einem typischen Juli-Abendtauchgang bei Miller's Point mit einem erfahrenen lokalen Guide liegt die Wahrscheinlichkeit über 90%. Frühbucherwochen im März können schlechter sein. Die lokalen Operator in Simon's Town (z. B. Ocean Divers International) geben dir beim Booking ehrliche aktuelle Sichtungs-Infos.
Brauche ich einen speziellen Tauchschein für Cowshark-Tauchgänge?+
Für den Shore-Dive bei Miller's Point reicht ein Open Water Brevet aus. Für Blackrock (bis 28 m) und Abendtauchgänge empfehle ich mindestens Advanced Open Water und 20+ Logtauchgänge. Das Cold-Water-Tauchen in Kapstadt ist anspruchsvoller als tropisches Tauchen — geh mit einem lokalen Guide.
Sind Siebenkiemer-Haie gefährlich für Taucher?+
Siebenkiemer sind Apex-Raubtiere, aber dokumentierte Angriffe auf Taucher sind extrem selten und meist auf Provokation zurückzuführen. Die Standardregel: Zwei Meter Abstand halten, keine schnellen Bewegungen, dem Hai Raum lassen. In hunderten begleiteten Tauchgängen hatte ich nie eine bedrohliche Situation.




