SAS Pietermaritzburg Wrack tauchen in der False Bay: Tiefe, Geschichte und Sicht im Check. Mein ehrlicher Guide als PADI-Instructor aus Kapstadt.
Was ist die SAS Pietermaritzburg und lohnt sich der Tauchgang?
Die SAS Pietermaritzburg ist ein ehemaliger Hochsee-Minensucher der Algerine-Klasse, der am 12. November 1994 einzeln als künstliches Riff versenkt wurde – rund 400 m vor der Küste, leicht nördlich von Miller's Point in der False Bay. Sie liegt aufrecht auf dem Kiel bei rund 20 m Tiefe, deutlich flacher als die Wracks der benachbarten Smitswinkel Bay. Das macht sie auch für Taucher mit Advanced-Brevet gut machbar. Von innen besichtigen sollte man sie heute nicht mehr: Für mich ist sie ein Taucherlebnis von außen, nicht von innen, und genau das macht sie als Einstieg ins Wracktauchen in Kapstadt interessant.
Vom D-Day-Minensucher zum Ausbildungsschiff: die Geschichte der HMS Pelorus/SAS Pietermaritzburg
Bevor sie als Pietermaritzburg endete, hatte dieses Schiff schon eine ganze Weltkriegskarriere hinter sich. Gebaut wurde sie von Lobnitz & Company in Renfrew, Schottland, Stapellauf am 19. Juni 1943 unter dem Namen HMS Pelorus (Kennung J291), einem Hochsee-Minensucher der Algerine-Klasse mit rund 70 m Länge. Schiffe dieser Klasse waren keine Prestigeobjekte, sondern Arbeitstiere: robust gebaut, um Minenfelder zu räumen, bevor andere Schiffe folgen konnten.
Am 6. Juni 1944, dem D-Day, war die Pelorus genau dafür im Einsatz: Sie räumte Minen vor der Küste der Normandie, damit die Landungsflotte durchkommt. Dabei lief sie selbst auf eine Mine auf. Den Einsatz überlebte sie trotzdem. 1947 verkaufte die Royal Navy das Schiff an die South African Navy. Zunächst hieß es HMSAS Maritzburg, ab dem 21. Januar 1948 dann HMSAS bzw. später SAS Pietermaritzburg. Über Jahrzehnte diente sie als Ausbildungsschiff für Kadetten der südafrikanischen Marine, bevor sie bis 1991 als reines Unterkunftsschiff in der Marinebasis Simon's Town festgemacht war. Wer sich für die Logistik rund um Simon's Town interessiert, findet in meinem Beitrag zur Tauchbasis Simon's Town mehr zu Anreise und Booten. Von dort starten auch die Boote zur Pietermaritzburg und zur nahegelegenen Smitswinkel Bay.
Die Versenkung 1994: Wie aus einem Kriegsschiff ein künstliches Riff wurde
Nach ihrer aktiven Dienstzeit war die Pietermaritzburg für die Marine nur noch Ballast. Statt sie zu verschrotten, entschied man sich, sie einzeln zu versenken – rund 400 m vor der Küste, leicht nördlich von Miller's Point in der False Bay, ein bewusster Akt, um Tauchern ein künstliches Riff zu bieten und zugleich ein Stück Marinegeschichte zu erhalten. Am 12. November 1994 ging sie kontrolliert unter und liegt seitdem aufrecht auf dem Kiel. Mittlerweile ist der Rumpf fest mit Seepocken, Schwämmen und Algen bewachsen und hat sich zu einem eigenständigen Lebensraum entwickelt. Genau das soll ein künstliches Riff leisten.
Tauchprofil: Tiefe, Lage und wie der Tauchgang abläuft
Die SAS Pietermaritzburg liegt mit dem Kiel bei etwa 20 m, das Deck erreicht man schon bei 16 bis 17 m, der tiefste Sandpunkt um das Wrack liegt bei ungefähr 20 bis 22 m. Im Vergleich zu den tieferen Wracks der nahegelegenen Smitswinkel Bay – SAS Transvaal, SAS Good Hope, Oratava und Princess Elizabeth, die zwischen 22 und 36 m liegen – ist das deutlich flacher. Deshalb schicke ich regelmäßig Open-Water-Taucher mit Advanced-Kurs auf die Pietermaritzburg, während ich für die tieferen Wracks in der Smitswinkel Bay ein Deep-Specialty oder entsprechende Erfahrung voraussetze. Einen Überblick über die vier Wracks der Smitswinkel Bay und wie sie sich unterscheiden, habe ich im Sammel-Guide zu den Smitswinkel Bay Wracks zusammengefasst – ein guter Vergleichspunkt, auch wenn die Pietermaritzburg selbst nicht zu dieser Wrackgruppe zählt.
Der typische Ablauf: Abstieg entlang des Ankerseils, dann Runde um den Rumpf auf Deckhöhe, vorbei an Davits, Lukenöffnungen und den Resten der Aufbauten, bevor es über den Sand zurück zum Aufstiegspunkt geht. Wer sich allgemein für Wracktauchen rund um Kapstadt interessiert, findet in meinem Überblick zum Wracktauchen in Cape Town weitere Spots, die sich gut mit einem Trip zur Smitswinkel Bay kombinieren lassen.
Warum die flachere Tiefe für Einsteiger ins Wracktauchen praktisch ist
Bei 20 m Maximaltiefe bleibt die Nullzeit großzügig, man hat mehr Spielraum für Fotos und Beobachtung und muss sich nicht mit den engeren Dekompressionsgrenzen abfinden, die bei den tieferen Wracks der Smitswinkel Bay gelten. Das macht die Pietermaritzburg zu einem guten ersten Wracktauchgang, bevor man sich an tiefere Ziele wagt.
Penetration: Was früher ging und warum ich heute davon abrate
Vor einigen Jahren konnte man an bestimmten Stellen noch ins Innere des Rumpfs vordringen. Davon rate ich inzwischen klar ab. Über 30 Jahre im Salzwasser haben die Struktur durchgerostet, Decks und Trennwände sind einsturzgefährdet, scharfkantiger Rostschrott und loses Material erhöhen das Verfangungsrisiko, und die Sicht im Inneren ist ohnehin meist schlechter als außen. Wenn überhaupt, gehört eine Penetration nur in die Hände sehr erfahrener, wrackzertifizierter Taucher mit entsprechender Ausrüstung und einem Guide, der die aktuelle Struktur kennt. Für den normalen Tauchgang gilt bei mir: Außenbesichtigung, fertig. Es gibt am Rumpf, an den Aufbauten und im Umfeld genug zu sehen, ohne dieses Risiko einzugehen.
Sicht, Strömung und beste Tauchbedingungen
Die Pietermaritzburg liegt relativ exponiert vor der Küste bei Miller's Point, was sich direkt auf die Sicht auswirkt: Meist liegt sie unter 10 m, oft sogar unter 8 m. An wirklich guten Tagen sind 15 m möglich, Ausreißer bis 18 m sind selten, aber ich hatte sie schon. Strömung ist küstennah meist mild, bei Dünung von der offenen See kann der Surge am Wrack aber deutlich zunehmen. Das merkt man vor allem oben am Deck, wo man stärker im Wasser hin- und hergeschoben wird als am geschützteren Rumpfgrund.
Weil die Sicht hier selten brillant ist, ist eine kräftige Lampe kein nettes Extra, sondern Teil der Grundausstattung, auch tagsüber. In den Rumpföffnungen und Schattenbereichen bringt erst künstliches Licht die Farben der Schwämme und Anemonen zurück, die bei trübem Wasser sonst nur grau wirken.
Marine Leben am Wrack
Haie, Fische und Krebstiere
Unter Deck und in den Schatten des Rumpfs treffe ich regelmäßig auf Pyjama-Katzenhaie und die kleineren Shysharks, die sich bei Störung zusammenrollen. Dazu kommen Hottentots in kleinen Schwärmen und Klipfische, die sich zwischen den Bewuchsflächen verstecken. In Spalten und unter Plattenresten sitzen Krebse, oft nur die Fühler sichtbar.
Wirbellose: Nacktschnecken, Seesterne und Tintenfische
Der Rumpf selbst ist mit Erdbeer-Anemonen übersät, die dem Wrack seine charakteristische rot-orange Farbe geben. Dazwischen finden sich Seesterne und (für Makro-Fans besonders interessant) eine ganze Reihe an Nacktschnecken-Arten. Gelegentlich zeigt sich auch ein Oktopus oder Tintenfisch in einer der Rumpföffnungen, meist tagsüber eher zurückgezogen und nachts aktiver.
Was du dafür brauchst
Bei Sichtweiten, die hier regelmäßig unter 8 m fallen, ist eine wirklich helle Tauchlampe keine Option, sondern Voraussetzung, um die Details am Wrack und in den Rumpföffnungen überhaupt zu erkennen. Ich tauche an der Pietermaritzburg selbst mit der Wurkkos DL40 mit 5000 Lumen (Preisbereich meist 50–70 €, Aluminiumgehäuse, bis 100 m Tiefe zugelassen). Für die trübe Suppe im Süden der False Bay reicht eine schwächere Lampe schlicht nicht, um die Farben der Anemonen und Schwämme aus den Schattenbereichen herauszuholen.
Damit die Lampe am Handgelenk bleibt und nicht am Rumpf verloren geht, wenn man sich mit beiden Händen an etwas festhalten muss, nutze ich dazu ein Cressi Lanyard-Spiralkabel, günstig (meist unter 10 €), elastisch und stabil genug, dass es auch bei Surge nicht reißt.
Für die Tauchzeitplanung bei 20 m Maximaltiefe lohnt sich ein ordentlicher Tauchcomputer: Der Garmin Descent G2 (Preisbereich meist 700–900 €, mit GPS-Oberflächennavigation) zeigt mir bei diesem flachen Profil komfortabel große Nullzeitreserven an und ist für alles von diesem Einsteiger-Wrack bis zu den tieferen Wracks der Smitswinkel Bay ausreichend dimensioniert. Wer nicht gleich so viel investieren will, kommt an der Pietermaritzburg aber auch mit einem einfacheren Einsteiger-Computer gut zurecht, solange er die Nullzeit zuverlässig anzeigt.
Unabhängig von der Ausrüstungsliste gilt in False Bay ganzjährig: 7 mm Neoprenanzug, Haube und Handschuhe sind Pflicht, nicht optional. Das Wasser liegt hier selbst im Südsommer selten über 18–20 °C.
Häufige Fragen zur SAS Pietermaritzburg
Wie tief liegt die SAS Pietermaritzburg und welches Brevet brauche ich?
Die SAS Pietermaritzburg liegt mit dem Kiel bei etwa 20 m, das Deck bereits bei 16 bis 17 m. Damit reicht in der Regel ein Advanced-Open-Water-Brevet, sofern genug Erfahrung mit kaltem Wasser und reduzierter Sicht vorhanden ist. Ein Deep-Specialty ist hier im Gegensatz zu den tieferen Wracks der Smitswinkel Bay nicht zwingend nötig.
Kann man das Wrack der SAS Pietermaritzburg von innen tauchen (Penetration)?
Früher war eine eingeschränkte Penetration an bestimmten Stellen möglich, heute rate ich klar davon ab. Nach über 30 Jahren im Salzwasser ist die Struktur instabil, es besteht Einsturz- und Verfangungsrisiko und die Sicht im Inneren ist meist schlecht. Wenn überhaupt, gehört das nur in die Hände sehr erfahrener, wrackzertifizierter Taucher mit lokalem Guide.
Was war die SAS Pietermaritzburg, bevor sie versenkt wurde?
Sie wurde 1943 als HMS Pelorus gebaut, ein Hochsee-Minensucher der Algerine-Klasse, und räumte am D-Day 1944 Minen vor der Normandie. 1947 ging sie an die South African Navy, diente als Ausbildungsschiff für Kadetten und später bis 1991 als Unterkunftsschiff in Simon's Town, bevor sie 1994 als künstliches Riff versenkt wurde.
Wie ist die Sicht an der SAS Pietermaritzburg im Vergleich zur Smitswinkel Bay?
Die Sicht ist an der Pietermaritzburg und an den Wracks der nahegelegenen, aber eigenständigen Smitswinkel Bay ähnlich wetterabhängig. An der Pietermaritzburg liegt sie meist unter 10 m, oft unter 8 m, da sie an exponierter Lage vor der Küste liegt. An guten Tagen sind 15 m und selten auch bis zu 18 m möglich. Eine kräftige Tauchlampe verbessert die Sicht auf Details am Wrack deutlich, unabhängig vom Gesamtwert.
Welche Tiere sieht man am Wrack der SAS Pietermaritzburg?
Typisch sind Pyjama-Katzenhaie und Shysharks in den Schattenbereichen, dazu Hottentots, Klipfische, Krebse, Oktopusse und Tintenfische. Der Rumpf selbst ist dicht mit Erdbeer-Anemonen und Seesternen bewachsen, dazwischen finden Makro-Fans eine große Vielfalt an Nacktschnecken.
Häufige Fragen
Wie tief liegt die SAS Pietermaritzburg und welches Brevet brauche ich?+
Die SAS Pietermaritzburg liegt mit dem Kiel bei etwa 20 m, das Deck bereits bei 16 bis 17 m. Damit reicht in der Regel ein Advanced-Open-Water-Brevet, sofern genug Erfahrung mit kaltem Wasser und reduzierter Sicht vorhanden ist. Ein Deep-Specialty ist hier im Gegensatz zu den tieferen Wracks der Smitswinkel Bay nicht zwingend nötig.
Kann man das Wrack der SAS Pietermaritzburg von innen tauchen (Penetration)?+
Früher war eine eingeschränkte Penetration an bestimmten Stellen möglich, heute rate ich klar davon ab. Nach über 30 Jahren im Salzwasser ist die Struktur instabil, es besteht Einsturz- und Verfangungsrisiko und die Sicht im Inneren ist meist schlecht. Wenn überhaupt, gehört das nur in die Hände sehr erfahrener, wrackzertifizierter Taucher mit lokalem Guide.
Was war die SAS Pietermaritzburg, bevor sie versenkt wurde?+
Sie wurde 1943 als HMS Pelorus gebaut, ein Hochsee-Minensucher der Algerine-Klasse, und räumte am D-Day 1944 Minen vor der Normandie. 1947 ging sie an die South African Navy, diente als Ausbildungsschiff für Kadetten und später bis 1991 als Unterkunftsschiff in Simon's Town, bevor sie 1994 als künstliches Riff versenkt wurde.
Wie ist die Sicht an der SAS Pietermaritzburg im Vergleich zur Smitswinkel Bay?+
Die Sicht ist an der Pietermaritzburg und an den Wracks der nahegelegenen, aber eigenständigen Smitswinkel Bay ähnlich wetterabhängig. An der Pietermaritzburg liegt sie meist unter 10 m, oft unter 8 m, da sie an exponierter Lage vor der Küste liegt. An guten Tagen sind 15 m und selten auch bis zu 18 m möglich. Eine kräftige Tauchlampe verbessert die Sicht auf Details am Wrack deutlich, unabhängig vom Gesamtwert.
Welche Tiere sieht man am Wrack der SAS Pietermaritzburg?+
Typisch sind Pyjama-Katzenhaie und Shysharks in den Schattenbereichen, dazu Hottentots, Klipfische, Krebse, Oktopusse und Tintenfische. Der Rumpf selbst ist dicht mit Erdbeer-Anemonen und Seesternen bewachsen, dazwischen finden Makro-Fans eine große Vielfalt an Nacktschnecken.




