Dezember ist Kapstadts Hochsaison — warm an Land, klar unter Wasser, aber teuer und voll. Wer früh bucht, erlebt den besten Sommer-Tauchmonat.
Lohnt sich Tauchen in Kapstadt im Dezember?
Absolut — aber nur mit Vorausplanung. Dezember ist Kapstadts teuerster und meistbesuchter Monat. Weihnachten und Neujahr in Südafrika sind eine Tradition für Touristen aus aller Welt, und Kapstadt ist das Epizentrum. Tauchoperatoren sind Wochen im Voraus ausgebucht, Unterkünfte kosten das Doppelte, und spontan einen Platz auf dem Tauchboot zu bekommen ist praktisch unmöglich. Wer aber sechs Monate vorher bucht, erlebt einen der besten Sommer-Tauchmonate des Jahres.
Bedingungen im Dezember: Der Sweet Spot
- Atlantik: 12–14°C, Sicht 8–18 Meter
- False Bay: 17–20°C, Sicht 8–15 Meter
- Luft: 18–28°C, überwiegend sonnig
- Wind: Südostwind präsent, aber noch nicht auf Januar-Niveau
Dezember ist der Süßstoff des kapstädtischen Tauchkalenders: Warm genug an Land, um im T-Shirt am Hafen zu frühstücken, aber unter Wasser noch nicht die Probleme des Hochsommers. Die entscheidende Information: Die Algenblüte in False Bay hat im Dezember noch nicht begonnen. Das passiert typischerweise erst ab Mitte Januar. Das bedeutet, dass die Sicht in False Bay im Dezember noch gut bis sehr gut ist — ein enormer Vorteil gegenüber Januar und Februar.
Cowsharks im Dezember: Voll aktiv
Die Cowshark-Saison läuft im Dezember auf Hochtouren. Miller's Point, The Pinnacles und A-Frame liefern zuverlässig Begegnungen — Sichtungsrate über 80%. Die Wassertemperatur in False Bay (17–20°C) ist für Cowsharks offenbar ideal; sie sind aktiv, bewegen sich viel und kommen regelmäßig nah an Taucher heran.
Ein Dezember-Cowshark-Tauchgang hat seinen eigenen Charme: Das Licht ist stärker als in den Wintermonaten, das Wasser wärmer, und die Cowsharks teilen sich das Riff mit Dutzenden anderer Arten — Hottentots, Galjoen, Pyjama-Haie, Tintenfische. Es ist ein volles, lebendiges Riff mit einem drei Meter langen Hai als Hauptdarsteller. Mehr dazu in meinem Cowshark-Guide.
Weihnachtstauchen: Braai und Bubbles
Wenn du Weihnachten in Kapstadt verbringst, erwartet dich ein Kulturschock — im besten Sinne. Während in Deutschland der Schnee fällt (oder nicht), stehst du am 25. Dezember in Boardshorts am Strand von Simon's Town, der Tafelberg leuchtet im Morgenlicht, und um 8 Uhr gehst du tauchen.
Einige Tauchoperatoren bieten spezielle Christmas Dives an — manche mit Weihnachtsmützen unter Wasser (ja, wirklich), andere mit einem gemeinschaftlichen Braai (südafrikanisches Grillen) nach dem Tauchgang. Das ist Kapstadts Version von Weihnachten: Morgens unter Wasser, nachmittags Braai am Strand, abends Sundowner an der V&A Waterfront.
Es ist eine Erfahrung, die sich fundamental anders anfühlt als jede andere Weihnachtsreise. Kein Glühwein, kein Lebkuchen — stattdessen Protea-Blumen, Sonne und Haie.
Kelpwälder: Sommerliches Licht
Die Kelpwälder am Atlantik sind im Dezember ein besonderes Erlebnis. Das starke Sommerlicht dringt tief in den Wald ein und erzeugt Lichtspiele, die im Winter unmöglich sind. Die Kelp-Stängel bewegen sich sanft in der Strömung, Sonnenstrahlen fallen in Bündeln durch das Blätterdach, und die Farbkontraste zwischen dem goldenen Kelp und dem blauen Wasser sind atemberaubend.
Oudekraal und Sandy Cove sind im Dezember an windstillen Tagen magisch. Wenn du Unterwasserfotografie liebst, ist das dein Moment. Alles über Kapstadts Kelpwälder in meinem Kelp Forest Guide.
Der Südostwind: Planung ist alles
Der "Cape Doctor" ist im Dezember zurück, aber noch nicht in voller Stärke. An zwei bis vier Tagen pro Woche bläst er stark genug, um Atlantik-Tauchgänge unmöglich zu machen. False Bay ist besser geschützt, aber bei richtig starkem Südostwind (über 30 Knoten) kann auch dort die See unruhig werden.
Mein Tipp: Nutze Windy.com oder die lokale App "Winfo" für Echtzeit-Windvorhersagen. Plane Atlantik-Tauchgänge für windstille Morgen (vor 10 Uhr ist es fast immer ruhiger), und halte False Bay als Backup bereit. Ein guter Operator wird dir am Vorabend sagen, wo morgen getaucht wird — Atlantik oder False Bay. Flexibilität ist der Schlüssel. Lies auch meinen Vergleich der beiden Ozeane.
Ausrüstung im Dezember
False Bay bei 17–20°C fühlt sich fast komfortabel an — fast. Ein 7mm Neoprenanzug ist am Atlantik (12–14°C) weiterhin Pflicht. In False Bay reicht an warmen Tagen auch 5mm plus Weste, aber ich empfehle den 7mm mitzunehmen. Die Haube kannst du in False Bay an warmen Tagen weglassen.
Was im Dezember besonders wichtig wird: Sonnenschutz über Wasser. Die UV-Strahlung in Kapstadt ist im Dezember extrem — Lichtschutzfaktor 50 auf jede freie Hautstelle, und ein Hut für die Bootsfahrt. Ich habe zu viele deutsche Gäste erlebt, die nach dem ersten Tag wie Krebse aussahen.
Und wie immer: Eine Tauchlampe gehört in jeden Tauchgang. Auch im Dezember. Die Farben unter Wasser kommen erst mit Kunstlicht zur Geltung, und in den Kelpwäldern ist es trotz Sommerlicht in den tieferen Bereichen dunkel. Eine Tauchlampe ist die beste Investition für Kapstadt-Tauchen — nicht leihen, nicht improvisieren, kaufen und mitbringen.
Budget und Buchung: Der Elefant im Raum
Reden wir über Geld. Dezember ist teuer. Wie teuer?
- Flüge: 700–1.100€ Return aus Deutschland (buche im Juni/Juli!)
- Unterkunft: Simon's Town ab 100–150€/Nacht (im Oktober die Hälfte)
- Tauchgänge: 60–80€ pro Bootstauchgang
- Mietwagen: 40–70€/Tag (Automatic mehr)
Mein Rat: Buche alles — Flug, Unterkunft, Tauchoperator — mindestens sechs Monate im Voraus. Im September nach einem Dezember-Tauchurlaub zu suchen ist wie im November nach einem Silvester-Restaurant in Berlin zu suchen: theoretisch möglich, praktisch ein Albtraum. Einen ausführlichen Kostenvergleich findest du in meinem Kapstadt Tauchkosten-Guide.
Meine ehrliche Empfehlung
Dezember ist ein wunderbarer Tauchmonat in Kapstadt — keine Frage. Das Wasser in False Bay ist noch klar, die Cowsharks sind da, die Riffe leben, und du bekommst Sonne und Wärme obendrauf. Aber der Preis dafür — buchstäblich — ist hoch. Wenn du terminlich flexibel bist, buche Oktober oder November und spare dir 40% des Budgets bei praktisch gleichen Tauchbedingungen. Wenn Weihnachten am Kap dein Traum ist, dann buche jetzt, buche früh, und bereue nichts. Es wird ein unvergessliches Erlebnis.
Häufige Fragen
Ist Dezember ein guter Tauchmonat in Kapstadt?+
Ja, Dezember ist einer der besten Sommer-Tauchmonate. Die Algenblüte hat noch nicht begonnen, die Sicht in False Bay ist gut, und Cowsharks sind sehr aktiv. Der Nachteil: sehr hohe Preise und volle Buchungslage.
Wie weit im Voraus muss ich für Dezember buchen?+
Mindestens sechs Monate. Flüge, Unterkünfte und Tauchoperatoren sind im Dezember Monate im Voraus ausgebucht. Wer im September nach einem Dezember-Slot sucht, hat schlechte Karten.
Gibt es im Dezember schon die Algenblüte in False Bay?+
Nein, die Algenblüte beginnt typischerweise erst ab Mitte Januar. Dezember ist deshalb der bevorzugte Sommermonat für Taucher in False Bay — die Sicht ist noch gut bei warmen Wassertemperaturen.
Wie teuer ist ein Tauchurlaub in Kapstadt im Dezember?+
Rechne mit 700–1.100€ für den Flug, 100–150€/Nacht für Unterkünfte in Simon's Town und 60–80€ pro Bootstauchgang. Insgesamt etwa doppelt so teuer wie in der Nebensaison (Juli–September).
Kann man an Weihnachten tauchen?+
Ja, viele Operator bieten am 25. und 26. Dezember Tauchgänge an — manche sogar spezielle Christmas Dives. Am 24. wird oft nicht getaucht, da die meisten Basen geschlossen sind. Frage deinen Operator frühzeitig nach dem Feiertagsplan.




