My Octopus Teacher Drehort tauchen in Kapstadt: Wo der Netflix-Film entstand, wie du den Kelp-Wald erlebst und was du dafür brauchst. Jetzt planen.
Kann man die Drehorte von My Octopus Teacher betauchen?
Ja — wer den My Octopus Teacher Drehort tauchen will, taucht in denselben Kelp-Wäldern der Kap-Halbinsel rund um Simon's Town, in denen Craig Foster seinen Oktopus filmte. Den exakten Spot hält das Sea Change Project bewusst geheim, aber die vergleichbaren False-Bay-Tangwälder bei Windmill Beach und Long Beach sowie der noch dichtere Kelp bei Oudekraal auf der Atlantikseite sind frei zugänglich und liefern dieselbe Kulisse. Das Wasser ist kalt — am False-Bay-Drehort meist 14–18°C, an der Atlantikseite bis hinunter zu 8°C. Du brauchst 7mm Neopren — und Geduld.
Warum dieser Film so viele Taucher nach Kapstadt bringt
Ich habe in den letzten Jahren keinen Film erlebt, der so viele Menschen ins kalte Wasser vor Kapstadt gelockt hat wie "My Octopus Teacher". Die Netflix-Doku aus dem Jahr 2020, die 2021 den Oscar für den besten Dokumentarfilm gewann, hat etwas geschafft, was Tauchmagazine über Jahrzehnte nicht hinbekommen haben: Sie hat den Kelp-Wald vor der südafrikanischen Küste zu einem Sehnsuchtsort gemacht.
Kaum eine Woche vergeht, in der mich nicht jemand fragt: "Marc, kann ich da tauchen, wo der Oktopus-Film gedreht wurde?" Die kurze Antwort habe ich oben gegeben. Die lange Antwort — mit ehrlichen Einordnungen zur Kaltwasser-Realität, zur richtigen Jahreszeit und zu der Frage, ob du wirklich einen Oktopus zu Gesicht bekommst — ist der Rest dieses Artikels.
Denn eines muss ich vorwegschicken: Der Film zeigt eine idealisierte, über ein ganzes Jahr hinweg verdichtete Beziehung zwischen einem Menschen und einem Tier. Deine erste Begegnung mit einem Oktopus im Kelp wird nicht so aussehen. Sie wird kürzer sein, kälter, und der Oktopus wird sich wahrscheinlich sofort verstecken. Und trotzdem — oder gerade deswegen — ist es eines der lohnendsten Erlebnisse, die Kapstadts Unterwasserwelt zu bieten hat.
Wo wurde My Octopus Teacher gedreht?
Der Film entstand im Great African Seaforest — so nennen Craig Foster und das Sea Change Project den zusammenhängenden Kelp-Wald, der sich entlang der Kap-Halbinsel und der südwestlichen Küste Südafrikas zieht. Konkret spielt sich die Geschichte in den geschützten, felsigen Buchten der False-Bay-Seite bei Simon's Town ab, im flachen Wasser bis etwa zehn Meter Tiefe.
Der Kelp selbst ist Ecklonia maxima, lokal auch "Sea Bamboo" genannt — eine riesige Braunalge, die bis zu sieben Meter hoch wächst und dichte Unterwasserwälder bildet. Wenn du im Film das goldene Licht siehst, das durch die schwankenden Baldachine bricht, dann schaust du auf genau diese Art. Mehr zur Biologie und zu den Spots findest du in meinem Kelp Forest Guide für Kapstadt.
Der genaue Drehort bleibt geheim — und das ist gut so
Hier muss ich mit einer Erwartung aufräumen: Es gibt keine "My Octopus Teacher Adresse", die du ins Navi eingibst. Das Sea Change Project gibt den exakten Spot bewusst nicht preis, und ich respektiere das ausdrücklich. Der Grund ist einfach: Ein einzelner Oktopus, der plötzlich von Dutzenden Tauchern täglich besucht wird, hat keine Chance auf ein normales Leben. Diese Tiere leben ohnehin nur ein bis zwei Jahre — jeder Stress verkürzt das weiter.
Die gute Nachricht: Du brauchst den exakten Spot gar nicht. Der Kelp-Wald ist kein einzelner Ort, sondern ein durchgehendes Ökosystem. Der Common Octopus (Octopus vulgaris), um den es im Film geht, lebt entlang der gesamten Halbinsel. Deine Chancen an einem beliebigen guten Kelp-Spot sind praktisch genauso hoch wie an Fosters Bucht.
Wo du realistisch tauchst
Diese Spots liefern dieselbe Kulisse und sind frei zugänglich — die ersten drei liegen in der geschützten False Bay direkt beim Drehort, Oudekraal ist die kältere Atlantik-Alternative:
- Windmill Beach (Simon's Town): Flach, geschützt, sandig mit Kelp-Rändern — mein Favorit für den ersten Versuch. Maximal acht Meter tief, kaum Strömung. Details im False-Bay-Einsteiger-Guide.
- Long Beach (Simon's Town): Der klassische Übungsspot mit sandigem Boden und Kelp-Inseln. Hier sitzen die Oktopusse oft in alten Flaschen und Wrackteilen.
- Boulders / A-Frame-Umgebung (False Bay): Felsig, kelpreich, direkt bei den berühmten Pinguinen. Etwas anspruchsvoller im Einstieg.
- Oudekraal (Atlantikseite): Dichtester Kelp der Region und dem Filmlicht am nächsten, aber deutlich kälter (8–14°C), wetterabhängiger und auf der anderen Seite der Halbinsel — kein Nachbar der Simon's-Town-Spots, sondern eine eigene Anfahrt.
Den Oktopus finden: Was du über sein Verhalten wissen musst
Der Common Octopus ist ein Meister der Tarnung, und das macht das Suchen zur eigentlichen Herausforderung. Er kann Farbe und Textur seiner Haut in Sekundenbruchteilen ändern und verschmilzt mit Fels, Kelp-Holdfast oder Sand, bis du praktisch draufschaust. Ich habe erfahrene Taucher erlebt, die zwei Meter an einem Oktopus vorbeigeschwommen sind, ohne ihn zu bemerken.
Worauf du achten solltest:
- Die "Müllhalde": Oktopusse sammeln Muschelschalen, Steine und Krebsreste vor ihrem Bau. Wenn du ein aufgeräumtes Häufchen leerer Schalen siehst, ist ein Bau in der Nähe.
- Augen und Textur: Suche nicht nach einem "Oktopus", sondern nach etwas, das nicht ganz zum Fels passt — eine ungewöhnliche Wölbung, zwei kleine Augen, eine zu glatte oder zu warzige Stelle.
- Werkzeug- und Tarnverhalten: Im Film sieht man den berühmten Moment, in dem der Oktopus sich Muschelschalen als Panzer um den Körper zieht. Das ist echtes, dokumentiertes Verhalten — eine Verteidigung gegen Pyjama-Haie, die zu den Hauptfeinden zählen.
- Tageszeit: Oktopusse sind eher dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber siehst du sie oft nur im Eingang ihres Baus.
Wenn du die Chance auf aktives Jagdverhalten maximieren willst, empfehle ich einen Dämmerungs- oder Nachttauchgang. Wie das in Kapstadt funktioniert und was du dabei sonst noch siehst, steht in meinem Guide zum Nachttauchen in Kapstadt.
Freediving wie Craig Foster — oder doch Scuba?
Ein Punkt, den der Film nicht laut ausspricht, aber der für deine Planung entscheidend ist: Craig Foster tauchte freitauchend, ohne Neoprenanzug. Er ging Tag für Tag ohne Flasche und ohne Wärmeschutz ins 9–14°C kalte Wasser, um dem Oktopus keine Blasen und keine fremde Ausrüstung zuzumuten. Das war eine bewusste, über Jahre trainierte Anpassung eines Einzelnen — und ausdrücklich kein Vorbild: Neoprenloses Tauchen bei diesen Temperaturen bringt Kälteschock- und Hypothermie-Risiko mit sich. Bitte mach das nicht nach.
Für die allermeisten Menschen gibt es zwei realistische Wege:
1. Scuba-Tauchen mit voller Ausrüstung
Der bequemste Weg. Mit 7mm Neopren, Haube und Handschuhen hast du 40 bis 60 Minuten Zeit, in Ruhe zu suchen. Du bist warm genug, um wirklich zu beobachten statt nur zu frieren. Der Nachteil: Blasen und Geräusche verscheuchen scheue Tiere schneller. Für die Oktopus-Suche ist das aber kein großes Problem, weil du dich ohnehin langsam und bodennah bewegst.
2. Geführtes Kelp-Snorkeling oder Freediving
Mehrere Anbieter in Simon's Town und an der Atlantikseite bieten geführte Schnorchel- und Freediving-Touren durch den Kelp an — das ist dem Film-Erlebnis am nächsten. Du brauchst trotzdem 7mm Neopren; ohne Anzug wie Foster hältst du es als Ungeübter keine zehn Minuten aus. Ohne Flasche bist du leiser und näher am ursprünglichen Erlebnis, aber deine Bodenzeit pro Tauchgang ist auf Sekunden begrenzt.
Mein Rat: Wenn du zertifizierter Taucher bist, mach beides — einen Scuba-Tauchgang zum Suchen und Beobachten, einen geführten Freedive-Trip fürs Gefühl.
Ausrüstung für die Kaltwasser-Realität
Und damit zum Punkt, an dem die meisten Kapstadt-Neulinge unterschätzen, worauf sie sich einlassen. Das Wasser hier ist kalt. An der Atlantikseite (Oudekraal) liegen die Temperaturen bei 8–14°C, in der geschützteren False Bay bei 14–20°C. Das ist kein Rotes-Meer-Tauchen — das ist echtes Kaltwasser.
Für Kapstadt ist ein 7mm Neoprenanzug kein optionales Extra, sondern die Grundvoraussetzung. Ohne ihn frierst du innerhalb weniger Minuten so stark, dass an ruhiges Beobachten nicht zu denken ist — und genau die Ruhe brauchst du, um einen getarnten Oktopus überhaupt zu entdecken. Dazu gehören zwingend eine Neopren-Haube und dicke Handschuhe; über Kopf und Hände verlierst du die meiste Wärme.
Das zweite Thema, das aus einem Film über einen Oktopus zwangsläufig folgt: Willst du deine Begegnung festhalten? Fast alle meine Gäste wollen das. Für Kelp-Aufnahmen bei wenig Licht ist eine GoPro HERO13 Black die unkomplizierteste Lösung — robust, weitwinklig genug für den Wald und klein genug, um sie beim Suchen nicht im Weg zu haben. Wer lieber mit dem iPhone filmt und den Touchscreen auch unter Wasser bedienen will, greift zum DIVEVOLK Seatouch 4 Max. Wie du im trüben Kaltwasser wirklich brauchbare Bilder bekommst, habe ich in meinem Guide zur Unterwasserfotografie in Kapstadt ausführlich beschrieben.
Die beste Jahreszeit für den Kelp-Wald
Hier wird es kontraintuitiv, deshalb lies genau: Die beste Zeit hängt davon ab, an welcher Seite der Halbinsel du tauchst.
- Atlantikseite (Oudekraal, Camps Bay): Beste Sicht von November bis März, typischerweise ein bis zwei Tage nach anhaltendem Südostwind, der das trübe Oberflächenwasser wegdrückt. Dann hast du das goldene Film-Licht in seiner ganzen Pracht — aber auch das kälteste Wasser.
- False-Bay-Seite (Simon's Town, Windmill, Long Beach): Im Winter, also Juni bis August, hat die geschützte Seite oft die klarere Sicht, weil hier andere Windrichtungen herrschen. Genau jetzt, im Juli, würde ich für die Oktopus-Suche zuerst nach Windmill oder Long Beach fahren.
Das bedeutet konkret: Es gibt keine schlechte Jahreszeit, sondern nur eine falsche Seiten-Wahl für den jeweiligen Tag. Ein guter lokaler Guide entscheidet morgens anhand von Wind und Dünung, wohin es geht. Verlass dich nicht auf einen Wochenplan — das Wetter am Kap ändert sich zu schnell.
Etikette und Schutz: Wie du dich richtig verhältst
Der Film hat den Kelp-Wald berühmt gemacht — und damit auch verletzlicher. Ein paar Regeln, an die ich mich und alle meine Gäste halte:
- Nicht anfassen. Ein Oktopus, der dich neugierig berührt, ist ein Geschenk. Ihn selbst zu greifen ist Stress und potenziell tödlich für ihn.
- Nicht aus dem Bau locken. Kein Herausziehen, kein Anstupsen mit Werkzeug, kein Füttern.
- Abstand und Geduld. Bleib ruhig auf ein bis zwei Meter, warte ab. Wenn der Oktopus interessiert ist, kommt er von selbst.
- Kelp schonen. Reiß dich nicht an den Stielen fest und tritt keine Holdfasts los. Der Wald wächst langsam.
Das Sea Change Project verkauft nicht nur einen schönen Film — es hat eine Bewegung ausgelöst, die diesen Wald schützt. Der beste Weg, dem Film gerecht zu werden, ist, mit demselben Respekt ins Wasser zu gehen, den Craig Foster seinem Oktopus entgegenbrachte.
Häufige Fragen
Kann man genau dort tauchen, wo My Octopus Teacher gedreht wurde?+
Nicht am exakten Spot — das Sea Change Project hält den Drehort zum Schutz des Ökosystems geheim. Du tauchst aber im selben Great African Seaforest entlang der Kap-Halbinsel. Spots wie Windmill Beach, Long Beach und Oudekraal liefern dieselbe Kelp-Kulisse und dieselbe Chance auf einen Oktopus.
Wie kalt ist das Wasser am Drehort von My Octopus Teacher?+
Am False-Bay-Drehort bei Simon's Town liegt die Temperatur meist bei 14–18°C, an der Atlantikseite (z. B. Oudekraal) kann sie auf 8°C fallen. Craig Foster tauchte freitauchend ohne Neopren, aber für normale Gäste ist ein 7mm Neoprenanzug mit Haube und Handschuhen zwingend erforderlich.
Sehe ich beim Kelp-Tauchen wirklich einen Oktopus?+
Oktopusse sind entlang der ganzen Halbinsel häufig, aber Meister der Tarnung und meist dämmerungs- und nachtaktiv. Mit einem erfahrenen Guide, viel Geduld und dem Blick für aufgeräumte Muschelhaufen vor ihren Bauten stehen die Chancen gut. Eine Garantie gibt es nie — genau das macht die Suche spannend.
Muss ich freitauchen wie im Film oder geht auch Scuba?+
Beides geht. Scuba mit voller Ausrüstung gibt dir 40–60 Minuten zum ruhigen Suchen und ist der bequemste Weg. Geführtes Kelp-Snorkeling oder Freediving kommt dem Film-Erlebnis näher, weil du leiser bist — verlangt aber trotzdem 7mm Neopren und begrenzt deine Bodenzeit auf Sekunden.
Wann ist die beste Jahreszeit für den Kelp-Wald in Kapstadt?+
Es hängt von der Seite ab: Die Atlantikseite (Oudekraal) hat die beste Sicht von November bis März nach Südostwind. Die geschützte False-Bay-Seite bei Simon's Town ist oft im Winter (Juni bis August) klarer. Ein guter Guide entscheidet morgens je nach Wind, wohin es geht.




