Januar ist Hochsommer in Kapstadt — aber unter Wasser lauert die Algenblüte. So holst du trotzdem das Beste aus deinem Tauchurlaub.
Tauchen in Kapstadt im Januar — warum Hochsommer nicht gleich beste Tauchzeit ist
Ich verstehe die Logik: Südafrika im Januar, das ist Sommer, Sonne, 30 Grad an Land — perfekt zum Tauchen, oder? Die Wahrheit ist: Januar gehört zu den schwierigsten Monaten für Tauchen in Kapstadt. Das liegt an zwei Faktoren, die sich gegenseitig verstärken: dem Südostwind und der Algenblüte in False Bay. Aber bevor du jetzt umplanst — mit der richtigen Strategie kannst du trotzdem fantastische Tauchgänge haben.
Ich habe über die Jahre genug Januar-Gäste begleitet, um zu wissen: Wer vorbereitet kommt und flexibel bleibt, wird belohnt. Wer stur auf False Bay besteht, wird frustriert.
Die Algenblüte in False Bay: Was passiert da genau?
Ab Dezember beginnt in False Bay eine saisonale Phytoplankton-Explosion. Die warmen Wassertemperaturen (18–22°C), langen Sonnentage und nährstoffreiche Auftriebsströmungen schaffen perfekte Bedingungen für Algenblüten. Das Ergebnis: Die Sicht kollabiert auf 2 bis 5 Meter, manchmal sogar weniger. Ich hatte im Januar Tauchgänge an Miller's Point, bei denen ich meinen Buddy auf zwei Meter Entfernung kaum noch erkannt habe.
Das betrifft die gesamte False Bay — Simon's Town, Castle Rock, Windmill Beach, auch die Smitswinkel Bay mit der SAS Pietermaritzburg. Es ist keine Frage von Glück oder Pech, sondern ein jährlich wiederkehrendes Phänomen. Wer im Januar nach Kapstadt kommt und die Unterschiede zwischen False Bay und Atlantik nicht kennt, wird enttäuscht.
Der Südostwind — Kapstadts "Cape Doctor"
Der zweite Störfaktor im Januar ist der Südostwind, liebevoll "Cape Doctor" genannt, weil er die Luftverschmutzung aus der Stadt bläst. Für Taucher ist er weniger liebevoll: Er peitscht den Atlantik auf, erzeugt Wellen und macht viele Einstiegspunkte an der Westküste unzugänglich. Der Wind baut sich typischerweise ab 10–11 Uhr morgens auf und erreicht nachmittags Stärken von 30–50 km/h.
Das bedeutet konkret: Dein Tauchfenster liegt morgens. Wer um 7 Uhr im Wasser ist, hat oft spiegelglatte Bedingungen. Wer um 12 Uhr lostauchen will, schaut auf weiße Schaumkronen.
Die beste Strategie für Januar: Atlantik am frühen Morgen
Mein klarer Rat: Vergiss False Bay im Januar und konzentriere dich auf die Atlantikseite. Spots wie Oudekraal, Stone Steps in Hout Bay und die Kelp-Wälder vor Camps Bay können im Januar hervorragend sein — vorausgesetzt, der Wind spielt mit.
Die Wassertemperatur am Atlantik liegt bei 12–14°C, also deutlich kälter als in False Bay. Dafür ist die Sicht an ruhigen Tagen oft 15 bis 20 Meter. Die Kelp-Wälder stehen im Hochsommer in voller Pracht, das Lichtspiel durch den Baldachin ist bei Sonnenschein atemberaubend.
Mein Tipp: Buche deinen Tauchoperator für die frühestmögliche Startzeit. Die meisten bieten im Sommer einen "Early Morning Dive" ab 7:00 oder 7:30 Uhr an. Nimm ihn. Jedes Mal.
Robben bei Hout Bay
Ein Highlight, das im Januar fast immer funktioniert: Robbentauchen bei Duiker Island vor Hout Bay. Die Kapfell-Robben sind im Sommer besonders verspielt und neugierig. Sie kommen zu dir, knabbern an deinen Flossen und drehen sich im Kreis — ein Erlebnis, das selbst bei mittelmäßiger Sicht unvergesslich ist. Hout Bay liegt relativ geschützt, sodass der Südostwind hier weniger zuschlägt.
Wassertemperaturen und Ausrüstung im Januar
Die Temperaturen im Januar:
- Atlantik (Westküste): 12–14°C
- False Bay (Ostseite): 18–22°C
Auch wenn False Bay mit 20°C verlockend klingt — bei 3 Meter Sicht hilft dir die Wärme wenig. Am Atlantik brauchst du definitiv einen 7mm Neoprenanzug und eine 5mm Neoprenhaube. Ohne Haube wirst du nach 20 Minuten im 12-Grad-Wasser an nichts anderes mehr denken als an die Kälte in deinem Kopf. Kein Spaß.
Für die dunklen Kelp-Wälder ist eine gute Tauchlampe die beste Investition, die du machen kannst. Die Wurkkos DL10R mit 4500 Lumen ist mein ständiger Begleiter — unter dem Kelp-Baldachin wird es selbst an sonnigen Tagen erstaunlich dunkel.
Touristenmassen und Buchungslage
Januar ist Hochsaison in Kapstadt. Südafrikanische Sommerferien (Mitte Dezember bis Mitte Januar) sorgen dafür, dass alles voll ist — Hotels, Restaurants, Tauchoperatoren. Die guten Operators in Simon's Town und Hout Bay sind oft Wochen im Voraus ausgebucht. Auch die Preise sind höher als in der Nebensaison.
Mein Rat: Buche deinen Tauchoperator mindestens 6–8 Wochen vorher. Frag explizit nach Atlantik-Touren am Morgen. Und plane mindestens 2–3 Ausweichtage ein, falls der Wind gar nicht mitspielt.
Was du im Januar unter Wasser siehst
Am Atlantik erwarten dich im Januar:
- Kelp-Wälder in voller Pracht — Ecklonia maxima steht im Sommer am üppigsten
- Pyjama-Haie — dösen am Boden zwischen den Kelp-Haltefüßen
- Kapfell-Robben — besonders verspielt und neugierig
- Oktopusse — in jeder Felsspalte lauert einer
- Klipfisch-Schwärme — durchziehen den Kelp-Wald wie Vögel einen echten Wald
Was du im Januar nicht zuverlässig siehst: Cowsharks. Die Breitnasen-Siebensiemer sind in False Bay aktiv, und bei der Sicht dort wirst du sie kaum finden. Die Cowshark-Saison beginnt richtig erst im März.
Mein ehrliches Fazit zum Januar
Ist Januar ein guter Monat zum Tauchen in Kapstadt? Ehrlich gesagt: Es gibt bessere. Aber wenn du aus beruflichen oder familiären Gründen nur im Januar kannst, ist das kein Grund, Kapstadt zu streichen. Konzentriere dich auf die Atlantikseite, steh früh auf, bring die richtige Ausrüstung mit und bleib flexibel. Die Kelp-Wälder und Robben allein sind die Reise wert.
Wenn du die Wahl hast, verschiebe deinen Trip aber lieber auf März — den wahren Goldmonat für Taucher in Kapstadt.
Häufige Fragen
Kann man im Januar in False Bay tauchen?+
Technisch ja, aber die Sicht ist wegen der saisonalen Algenblüte meist auf 2–5 Meter reduziert. Für ernsthafte Tauchgänge empfehle ich im Januar den Atlantik (Oudekraal, Hout Bay).
Wie warm ist das Wasser im Januar in Kapstadt?+
Am Atlantik 12–14°C, in False Bay 18–22°C. Ein 7mm Neoprenanzug mit Haube ist am Atlantik Pflicht. Auch in False Bay empfehle ich mindestens 5mm.
Wann sollte ich im Januar am besten tauchen gehen?+
So früh wie möglich — idealerweise um 7:00 oder 7:30 Uhr. Der Südostwind baut sich ab 10–11 Uhr auf und macht nachmittags viele Spots unzugänglich.
Sieht man im Januar Haie in Kapstadt?+
Cowsharks (Breitnasen-Siebensiemer) sind im Januar wegen der schlechten Sicht in False Bay kaum anzutreffen. Robben bei Hout Bay und Pyjama-Haie in den Kelp-Wäldern sind aber fast garantiert.
Wie weit im Voraus muss ich im Januar buchen?+
Mindestens 6–8 Wochen vorher. Januar ist Hochsaison in Kapstadt, und gute Tauchoperatoren sind oft ausgebucht. Besonders Morgen-Slots am Atlantik sind gefragt.




